Türken erwägen Intervention im Nordirak

19. Juli 2006, 19:38
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Botschafter der USA und des Irak einbestellt – Ankara verlangt Vorgehen gegen PKK - Erdogan: "Situation ist unhaltbar"

In der Türkei mehren sich die Anzeichen, dass die Armee eine Intervention im Nordirak vorbereitet. Am Wochenende und am Montag tagten zunächst der Nationale Sicherheitsrat und dann das Kabinett, um auf die Eskalation der Angriffe im Südosten des Landes eine Antwort zu geben. In der letzten Woche waren insgesamt 13 Soldaten bei Angriffen durch PKK-Militante getötet worden, eine Situation, die Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan nicht mehr länger hinnehmen will. „Wir haben mit Geduld und demokratischen Mitteln versucht, die Kurdenfrage in der Türkei zu lösen, doch die Situation ist unhaltbar geworden“, sagte er.

Botschafter der USA und des Irak einbestellt

Offiziell wurden die Botschafter der USA und des Irak anschließend ins Außenministerium einbestellt, um sich dort noch einmal die türkische Forderung anzuhören, endlich gegen die Basen der PKK im Nordirak vorzugehen. Ein Teil der Armee und die nationalistischen Kräfte in der Gesellschaft drängen seit Längerem darauf, das Problem selbst in die Hand zu nehmen und die PKK durch eine eigene Militärintervention aus dem Nordirak zu vertreiben.

Bislang und so auch gestern wieder, haben allerdings die USA klar gegen eine türkische Militärintervention im Nordirak Stellung bezogen. Man werde selbst in Zusammenarbeit mit den Autoritäten im Nordirak gegen die PKK vorgehen, versprach noch vor wenigen Wochen Außenministerin Condoleezza Rice. Passiert ist allerdings noch nichts. Trotzdem ist wohl ein groß angelegter Einmarsch der Türkei im Nordirak eher unwahrscheinlich. Die außenpolitischen Kosten wären zu hoch. Denkbar wäre es aber wohl, dass die Türkei im Schatten des Libanon-Krieges ebenfalls ein paar Jets über die Grenze schickt und die Camps der PKK im Nordirak aus der Luft angreift. (Jürgen Gottschlich aus Istanbul/DER STANDARD, Printausgabe, 19. 07. 2006)

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    Schon seit Monaten werden die Truppen in Südanatolien verstärkt

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