Syrien: Das ist ein "Ausrottungsfeldzug"

21. Juli 2006, 07:09
127 Postings

Damaskus beschuldigt auch europäische Regierungen die Angriffe zu unterstützen - Libanesische Parlamentsmehrheit verurteilt "Barbarische Aggression"

Beirut/Damaskus - Die syrische Führung hat "europäische Regierungen", ohne sie beim Namen zu nennen, beschuldigt, ebenso wie die USA den Israelis grünes Licht für den "Ausrottungsfeldzug" gegen den Libanon gegeben zu haben. Israel werde "politisch und diplomatisch gedeckt, bis es seine Ziele erreicht" habe, hieß es am Dienstag in einem Kommentar des staatlichen Rundfunks in Damaskus. Die "von den USA angeführten" Vereinten Nationen hätten es verabsäumt, den Krieg zu stoppen oder wenigstens zu verurteilen.

Die gegenwärtigen UNO- und EU-Vermittlungs- und Sondierungsmissionen hätten in erster Linie das Ziel, Israel Zeit zu geben, "die Zerstörung des Libanon zu vollenden", hieß es in dem Kommentar von Dario Damaskus. Syrien hatte Israel im Fall eines Angriffs mit einer harten Reaktion gedroht. "Unsere Antwort wird direkt, hart und unbefristet sein", sagte der syrische Informationsminister Mohsen Bilal am Sonntag der staatlichen Nachrichtenagentur SANA. Am Vortag hatte Israel einen Ort nahe der Grenze zwischen dem Libanon und Syrien beschossen. Syrien unterstützt die schiitische Hisbollah, bestreitet aber jede Beteiligung an deren antiisraelischen Aktionen.

Libanesische Parlamentsmehrheit verurteilt "Barbarische Aggression"

Die Mehrheitsfraktion des libanesischen Parlaments hat die "barbarische Aggression" gegen das Land verurteilt und die ganze Bevölkerung aufgerufen, die "nationale Einheit" zu verteidigen und die Regierung zu unterstützen. Die Abgeordneten des von Saad Hariri angeführten multikonfessionellen "Blocks der Zukunft" bekannten sich in Beirut zur "totalen Solidarität der Libanesen" angesichts der israelischen Militäroffensive, wie die Beiruter Zeitung "L'Orient-le Jour" am Dienstag in ihrer Internetausgabe berichtete. Alle Kräfte des Landes werden aufgerufen, nur die Interessen des Libanon im Auge zu haben.

Die interne Debatte über die Verantwortung libanesischer Kräfte für die entstandene Situation sei nicht jetzt, sondern später zu führen, erklärten die Parlamentarier. Mehrheitsführer Hariri, der sich am Dienstag in der Türkei aufhielt, hatte zuvor in Anspielung auf die antiisraelischen Provokationen der schiitischen Hisbollah erklärt, die "Abenteurer", die die gegenwärtige dramatische Lage verschuldet hätten, würden Rechenschaft ablegen müssen.

Die libanesische Mehrheitskoalition umfasst 72 der 128 Parlamentsmitglieder (je 64 Muslime und Christen). Bündnispartner des von Syrien-Gegnern dominierten "Blocks der Zukunft" sind das Linksbündnis um die "Sozialistische Fortschrittspartei" des Drusenführers Walid Joumblatt, die vom maronitischen Patriarchen Kardinal Nasrallah Boutros Sfeir unterstützte christliche Gruppe "Kornet Chehwane" und die "Demokratische Linke" von Elias Atallah. (APA)

Share if you care.