"Suche mir Leute selbst aus, mit denen ich auf Urlaub bin"

18. Juli 2006, 18:10
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Finanzminister unterbricht aktuellen Sardinien-Yachturlaub - Klagsdrohung wegen "Cosa Nostra"-Vergleich - BAWAG-Affäre: Angeblich Verdacht auf Veruntreuung

Wien - Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat seinen Yacht-Ausflug mit dem Bankier Julius Meinl und dem Investmentbanker Wolfgang Flöttl am Dienstag neuerlich verteidigt. Ein Unvereinbarkeitsproblem sieht der Minister in der Einladung des Bankiers Meinl nicht, weil die Finanzmarktaufsicht seit Mitte 2002 als weisungsfreie Behörde konstruiert und ihm nicht mehr weisungsgebunden sei. Auch dass er mit Flöttl gemeinsam geurlaubt habe, weist Grasser zurück: "Weil der Herr Meinl ein paar Leute auf ein Schiff einlädt, heißt das nicht, dass man zusammen auf Urlaub ist. Ich suche mir die Leute selbst aus, mit denen ich auf Urlaub bin."

Außerdem betonte Grasser bei einer Pressekonferenz am Dienstag, dass dies ein Einzelfall gewesen sei: "Ich habe keine weiteren Einladungen einer österreichischen Bank oder Versicherung angenommen."

"Werde langjährige Freunde nicht meiden"

Grasser verteidigte seinen Yacht-Ausflug mit Julius Meinl auch damit, dass der Bankier ein langjähriger Freund der Familie seiner Frau Fiona Swarovski sei. "Ich halte diesen Kurzausflug in Kroatien für völlig unbedenklich. Ich werde langjährige Freunde von mir oder von meiner Frau nicht meiden, nur weil der Opposition das nicht passt", betonte Grasser bei einer Pressekonferenz.

Swarovksi-Yacht

Grasser hatte für den Auftritt in Wien übrigens extra seinen Urlaub auf der Swarovksi-Yacht in Sardinien unterbrochen, kündigte bei der Pressekonferenz aber an, wieder dorthin zurückzufliegen. Heftige Attacken ritt der Finanzminister zuvor noch auf die SPÖ, der er riet, ihre "sehr sauren Wiesen" im Zusammenhang mit der BAWAG trocken zu legen und der er "Dirty Campaigning" vorwarf: "Da soll man sich die Scheinheitlichkeit eines Fairnessabkommens gleich sparen." Mit Klage drohte Grasser dem Grün-Abgeordneten Werner Kogler für dessen im Zusammenhang mit dem Yacht-Ausflug angestellten "Cosa Nostra"-Vergleich (leugnen bis alles bewiesen ist). Er habe seinen Anwalt beauftragt, die Causa zu prüfen. Alle in die BAWAG-Affäre Verwickelten forderte der Minister zur sofortigen Offenlegung aller Fakten auf: "Es gibt sicher einige, die jetzt schon sehr schlecht schlafen."

Verdachtsmomente in Richtung Veruntreuung

Im Zusammenhang mit der BAWAG-Affäre behauptete Grasser, "dass die Verdachtsmomente in Richtung Veruntreuung evident sind". Grasser verwies diesbezüglich auf einen mit 13. Juli datierten Bericht der Nationalbank an die Finanzmarktaufsicht, der mittlerweile auch der Justiz übergeben worden sei. Mit Fakten untermauern konnte Grasser den Vorwurf aber ebensowenig wie er genauer ausführen konnte, wer welches Geld in welche Richtung veruntreut haben könnte. Er könne keine inhaltlichen Details aus dem Bericht nennen, da dieser der Vertraulichkeit unterliege, sagte Grasser. (APA)

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    Grasser: "Ich habe keine weiteren Einladungen einer österreichischen Bank oder Versicherung angenommen."

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