Italiens Sozialminister für Legalisierung weicher Drogen

29. Juli 2006, 16:33
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Ferrero: "Joints sind weniger schädlich als Wein" - Kritik an neuem Drogengesetz aus Berlusconi-Regierung

Rom - Italiens neuer Sozialminister, Paolo Ferrero, ist der Ansicht, dass Haschisch weniger schädlich als Wein ist. "Die Wahrheit ist, dass ein Joint weniger gesundheitsgefährdend als einen halben Liter Wein ist. Der Konsum weicher Drogen sollte legalisiert werden", sagte Ferrero, Politiker der altkommunistischen Rifondazione Comunista. Er unterstrich, dass in Italien 7.000 Menschen jährlich an Alkoholkonsum sterben.

Der Minister kritisierte das von der Mitte-Rechts-Allianz von Silvio Berlusconi im Februar verabschiedete Drogengesetz, das den Unterschied zwischen weichen und harten Rauschgiftmitteln aufgehoben hat. "Man muss gegen den Drogenhandel streng vorgehen, doch das Gesetz muss geändert werden. Heroin und Cannabis dürfen nicht gleichgestellt werden", meinte der Minister. "Wir müssen gegen den Drogengroßhandel vorgehen. Man darf jedoch nicht den Drogendealer mit dem Jugendlichen gleichstellen, der einen Joint raucht", betonte Ferrero.

Strenges Drogengesetz

Die Worte des Ministers wurden von der rechten Oppositionspartei Alleanza Nazionale (AN) scharf kritisiert. "Der neue Minister ist unverantwortlich", so der AN-Abgeordnete, Alfredo Mantovano. Die im April abgewählte Regierung von Silvio Berlusconi hatte Anfang dieses Jahres ein neues strenges Drogengesetz verabschiedet, das die Regierung von Romano Prodi jetzt rückgängig machen will. Das Gesetz bestraft nicht nur die Produktion und den Handel, sondern auch den Besitz von Suchtgift für den Eigengebrauch. Dazu wurde die bisherige Unterscheidung zwischen "harten" und "weichen" Drogen aufgehoben. Im Gesetzesentwurf sind für die verschiedenen Drogen Mengen für die Substanzen festgelegt, um eine Grenze zwischen administrativen Sanktionen bzw. Strafgeldern und eigentlichen Freiheitsstrafen zu ziehen.

Drogenkonsum in Italien

Der Konsum von Kokain und Cannabis hat sich in Italien zwischen 2001 und 2005 verdoppelt, ergab eine vergangene Woche veröffentlichte Studie. Die Zahl der Italiener, die Kokain konsumieren, ist in diesem Zeitraum von 350.000 auf 700.000 geklettert, jene der Konsumenten von Cannabis ist von zwei Millionen auf 3,8 Millionen gestiegen, geht aus einem Bericht des italienischen Parlaments über den Drogenkonsum in Italien hervor. Weniger gefragt ist dagegen Heroin.

Laut Statistik beginnen jedes Jahr 9.000 Italiener, regelmäßig Kokain zu konsumieren. Mit Heroin fangen jährlich 29.000 Italiener an. 200.000 Personen werden derzeit wegen Heroinabhängigkeit und 150.000 wegen Kokainkonsum behandelt, ergab die Studie. 603 Personen sind 2005 an einer Überdosis gestorben, sie waren mehrheitlich heroinabhängig. Die Zahl berücksichtige nicht die vielen Menschen, die an Krankheiten wie Hepatitis und AIDS gestorben sind, die mit dem Drogenkonsum eng in Verbindung stehen, so der Bericht. (APA)

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