Bombenanschlag in Kufa tötet rund 60 Menschen

19. Juli 2006, 14:56
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Anschlag auf Tagelöhner fordert auch mindestens 130 Verletzte - Stadt gilt als Hochburg des radikalen schiitischen Predigers al Sadr - Gefechte britischer Truppen bei Basra

Bagdad - Ein Selbstmordattentäter hat nahe einer schiitischen Moschee in der südirakischen Stadt Kufa 59 Menschen mit in den Tod gerissen. 130 weitere wurden bei dem Anschlag am Dienstag verletzt, wie Ärzte mitteilten. Bei den meisten Opfern handelte es sich um schiitische Tagelöhner. Irakische Sicherheitskräfte töteten unterdessen einen Jordanier, der für den gewaltsamen Tod zweier US-Soldaten im Juni verantwortlich gemacht wurde.

Der Attentäter in Kufa zündete den Sprengsatz in seinem Kleinbus gegen 07.30 Uhr (Ortszeit) auf einem Marktplatz, wie Polizeisprecher Nafie Mohammed erklärte. Zuvor hatte er eine Gruppe von Tagelöhnern mit dem Versprechen, ihnen Arbeit zu vermitteln, in das Fahrzeug gelockt. Kufa liegt rund 160 Kilometer südlich von Bagdad und gilt als Hochburg des radikalen schiitischen Predigers Muktada al Sadr.

Bombe detonierte keine 100 Meter von schiitischen Schrein entfernt

Die Bombe detonierte in einem Abstand von etwa 50 bis 100 Metern zu einem schiitischen Schrein. Ärzte berichteten, es seien 59 Leichen in die Krankenhäuser der nahe gelegenen Städte Najaf und Kuf gebracht worden. 132 Menschen seien verletzt. Sechs Autos und zwei Restaurants wurden durch die Explosion zerstört.

Im Anschluss: Ausschreitungen zwischen Bewohnern und Polizei

Nach dem Anschlag sei es zu schweren Ausschreitungen zwischen den Bewohnern und der Polizei gekommen. Mit Rufen wie "Ihr seid Verräter", "Ihr macht eure Arbeit nicht" oder "Amerikanische Agenten" seien Passanten auf die Polizisten losgegangen und hätten diese mit Steinen beworfen. Viele sollen Anhänger des schiitischen Predigers Sadr sein. Die Sicherheitskräfte schossen in die Luft, um die Angreifer auseinanderzutreiben. "Es ist sehr chaotisch. Die Polizei feuert Schüsse ab und die Menschen laufen durcheinander", sagte er. "Überall fahren Rettungswagen herum."

Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki verurteilte die Bluttat und versprach, die Täter zur Verantwortung zu ziehen. Der Gouverneur von Najaf, Assad Abu-Kalal, machte kriminelle Anhänger der Baath-Partei und Terroristen aus Mahmudiya für den Anschlag verantwortlich. Im nahe der Hauptstadt Bagdad gelegenen Mahmudiya waren erst am Montag 50 Menschen getötet worden. Zeugen berichteten, der in Kufa in die Luft gesprengte Kleinbus habe ein Bagdader Kennzeichen getragen.

Der gesuchte Jordanier Diyar Ismail Mahmud wurde bei einem Gefecht mit Sicherheitskräften tödlich verletzt, wie Sicherheitsberater Mowaffaq al Rubaie mitteilte. Über den Zeitpunkt machte er keine Angaben. Mahmud wurde für den Foltertod zweier US-Soldaten verantwortlich gemacht, deren schwer misshandelte Leichen am 19. Juni südlich von Bagdad entdeckt worden waren.

Gefechte britischer Truppen bei Basra

In der ebenfalls im Süden gelegenen Stadt Basra gingen britische und irakische Truppen am frühen Dienstag in einer größeren Militäroperation gegen schiitische Rebellen vor. Mindestens fünf Aufständische wurden getötet. Zehn weitere wurden verletzt. Die Soldaten nahmen drei Verdächtige fest und beschlagnahmten Waffen und Sprengstoff. Das Gefecht dauerte laut Krankenhausangaben etwa vier Stunden. Bei einem Bombenanschlag nahe Hawija, 240 Kilometer nördlich der Hauptstadt, wurden laut Polizei sieben irakische Polizisten getötet und zwei verletzt.

Sunnitische Partei ruft zu Versöhnungskonferenz auf

Die größte sunnitische Partei des Landes, die Irakische Islamische Partei, rief am Dienstag zu einer Versöhnungskonferenz auf. Mit der Tagung, an der Vertreter aller politischen und religiösen Gruppen teilnehmen sollten, solle das Land vor einem Bürgerkrieg gerettet werden, hieß es in einer Erklärung. Die Partei verurteilte die Anschläge von Mahmudiya und Kufa als "schreckliche Eskalation der Gewalt". (APA/AP/Reuters)

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    Einer von über 90 Verletzten.

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