Präsident gibt Widerstand gegen Friedensgespräche auf

28. Juli 2006, 16:43
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Islamisten-Chef warnt vor Einsatz von Friedenstruppe

Mogadischu/Brüssel - Der Weg für Friedensgespräche in Somalia ist frei: Der somalische Präsident Abdullah Yusuf Ahmed gab am Montag seinen Widerstand gegen die unter Schirmherrschaft der Arabischen Liga geplanten Verhandlungen auf, wie einer seiner ranghohen Mitarbeiter sagte. Damit könne die somalische Regierung an den Gesprächen teilnehmen.

Ahmed habe die Regierung des Sudan um die Ansetzung eines neuen Termins gebeten. Die Gespräche waren für Samstag geplant, wurden dann aber verschoben. Zunächst war unklar, ob die sudanesische Regierung der Bitte nachkommen würde. Zuvor hatte Ahmed sich gegen die Gespräche gewandt, weil er den gegnerischen Islamisten-Rebellen vorgeworfen hatte, die Abmachungen eines bereits am 22. Juni geschlossenen Friedensabkommens gebrochen zu haben.

Nach schweren Gefechten in den vergangenen Monaten kontrollieren die islamistischen Rebellen inzwischen die somalische Hauptstadt Mogadischu und weite Teile des Südens von Somalia. Viele fürchten, das Land am Horn von Afrika könnte ähnlich wie Afghanistan in den Jahren vor dem US-Einmarsch 2001 ein Rückzugsgebiet für islamistische Extremisten werden. Die nun geplanten Friedensgespräche sind Teil der Bemühungen der internationalen Gemeinschaft, wieder Stabilität nach Somalia zu bringen, das seit 1991 keine funktionierende Zentralregierung mehr besitzt.

Islamisten-Chef Hassan Dahir Awejs warnte unterdessen die internationale Gemeinschaft vor der Entsendung einer Friedenstruppe. Niemand solle "die politischen Realitäten in Somalia ignorieren", sagte Awejs der Nachrichtenagentur AFP. "Mogadischu ist friedlich. Es wurde ohne Eingreifen der internationalen Gemeinschaft befriedet." Awejs gilt als islamistischer Hardliner und wird von den USA als "Terrorist" eingestuft.

Der Islamisten-Chef sprach auch im Hinblick auf das Treffen der internationalen Somalia-Kontaktgruppe, die am Montag in Brüssel zusammenkam und unter anderem über die Entsendung einer Friedensmission beriet. In einer Erklärung forderte die Kontaktgruppe den UNO-Sicherheitsrat auf, rasch das seit 1992 geltende Waffenembargo gegen Somalia so zu ändern, dass der Aufbau staatlicher Sicherheitskräfte möglich ist. Der UN-Sicherheitsrat hatte sich vergangene Woche bereit erklärt, das Embargo zu lockern. (APA)

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