Ullrich beruft sich auf Rechtsstaat

21. Juli 2006, 17:02
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Radprofi lehnte öffentliche Aussage zu Dopingvorwurf ab: "Unschuldsvermutung, bis das Gegenteil bewiesen wird"

Berlin - Der unter Doping-Verdacht stehende Radprofi Jan Ullrich will sich zu den diesbezüglichen Vorwürfen zunächst nicht öffentlich äußern. Auf Anraten seiner Anwälte werde er keine Stellungnahme abgeben, hieß es in einer Erklärung Ullrichs, die sein Team T-Mobile am Montag verbreitete. Seine Anwälte hätten Kontakt mit den spanischen Ermittlern aufgenommen, um zu klären, ob und in welcher Form es dort Vorwürfe gegen ihn gebe.

"In einem Rechtsstaat gilt nicht nur für mich, sondern für jeden anderen Menschen auch die Unschuldsvermutung, bis das Gegenteil bewiesen wurde." Ullrich widersprach Presseberichten, nach denen er abgetaucht sei. Er lebe nach wie vor in der Schweiz und nehme am öffentlichen Leben teil. Außerdem hätten seine Anwälte dem Rennstall rechtzeitig eine Stellungnahme zu den Vorwürfen zugeleitet.

Frist verstrichen

Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet, Ullrichs Anwälte wollten am Montag eine Erklärung abgeben. Die Anwälte von T-Mobile prüfen nach Angaben des Unternehmens weitere Schritte. Sie hätten Ullrich eine Frist bis vergangenen Donnerstag gesetzt, bis zu deren Ablauf er seine Unschuld habe beweisen sollen, sagte T-Mobile-Sprecher Christian Frommert. Der Termin sei ohne Erklärung verstrichen.

Nach der Kündigung von Betreuer Rudy Pevenage plant T-Mobile dem "Bild"-Bericht zufolge auch Ullrichs Rauswurf. Schätzungsweise 2,5 Millionen Euro bekomme Ullrich jährlich von T-Mobile. Der Vertrag des Radprofis läuft bis Jahresende. Sollte auch der Sponsor IWC aussteigen, würde Ullrich dem Bericht zufolge weitere rund 500.000 Euro verlieren.

Ullrich war wegen Doping-Verdachts von der Tour de France ausgeschlossen worden. Er beteuerte seine Unschuld. "Ich habe mit der Sache nichts zu tun", erklärte er Anfang Juli auf seiner Homepage. Er sehe sich als Opfer und werde versuchen, seine Unschuld mit Hilfe eines Anwalts zu beweisen.

T-Mobile begründete die Suspendierung des Tour-Siegers von 1997 mit konkreten Hinweisen darauf, dass die Unschuldsbeteuerungen in der Doping-Affäre um den spanischen Sportarzt Eufemiano Fuentes falsch seien. Neben Ullrich wurden auch Mitfavorit Ivan Basso sowie zahlreiche weitere Fahrer wegen des Verdachts der Verwicklung in die Dopingaffäre von der Teilnahme am wichtigsten Radrennen der Welt ausgeschlossen. (APA/Reuters)

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