Witzfiguren im Liebesspiel

17. Juli 2006, 19:44
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Das Lehárfestival Bad Ischl zeigt Franz von Suppés "Fatinitza" in einer - gelinde gesagt - derben Version und Regie von Leonard Prinsloo

Pausenloses Feixen, Lärmen und Outrieren - ist das Operette? Das Lehárfestival Bad Ischl zeigt Franz von Suppés Fatinitza in einer - gelinde gesagt - derben Version und Regie von Leonard Prinsloo. Das Stück galt seinerzeit als eine der populärsten Wiener Operetten. Leutnant Wladimir liebt die schöne Lydia, und um deren wachsamen Onkel, den General Kantschukoff, zu überlisten, verkleidet er sich als Frau - eben als Fatinitza. Lydia wird von türkischen Soldaten entführt, und so muss "Fatinitza" auch im Harem des Paschas auf den Plan treten. Prinsloo führt den Holzhammer: Dauernd Zoten zu erleben ist ermüdend, die Rollen entpuppen sich allesamt als Witzfiguren. Die Anspielungen sind vorausschaubar: Zweimal wird der Satz "Nobody is perfect" eingestreut, wenn es um den Transvestiten Fatinitza geht. Prinsloo ist ja ein guter Choreograf, aber dem Genre Operette nähert er sich ohne Esprit. Unter den Solisten sticht klar Steven Scheschareg hervor, der den General Kantschukoff mimt. Und Nachwuchsdirigent Vinzenz Praxmarer gibt eine respektable Debütvorstellung. (kivi/DER STANDARD, Printausgabe, 18.7.2006)
Lehárfestival Bad Ischl bis 25. 8.
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