Morbus Crohn mit genetischer Veranlagung in Verbindung gebracht

24. Juli 2006, 13:03
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Forscher nahmen Gen, das für die erste Abwehr von Bakterien im Darm verantwortlich ist, unter die Lupe

Wien/Stuttgart/Cleveland - Eine durch die Vererbung bedingte geringere Anzahl von Kopien eines Gens, das für die erste Abwehr von Bakterien im Darm verantwortlich ist, dürfte an bestimmten Formen von Morbus Crohn beteiligt sein. Das hat eine internationale Forschergruppe mit Beteiligung von Gastroenterologen der Universitätsklinik für Innere Medizin IV am Wiener AKH herausgefunden. Doch ob das die wirkliche Erklärung für das Entstehen der chronisch entzündlichen Darmerkrankung darstellt, ist noch nicht klar.

Die Krankheit

Beim Morbus Crohn handelt es sich um eine oft schubförmig verlaufende chronisch entzündliche Erkrankung des Darms. In Österreich dürften davon rund 15.000 Personen betroffen sein. In schweren Fällen müssen die erkrankten Darmabschnitte chirurgisch entfernt werden. Seit einigen Jahren stehen aber mit aus der Therapie der chronischen Polyarthritis (Gelenksrheuma) stammenden Biotech-Medikamenten wesentlich bessere Medikamente zur Behandlung zur Verfügung als früher.

Auf der anderen Seite hat sich die Erforschung der Ursachen der Erkrankung durch die Erkenntnisse der Humangenetik stark beschleunigt. Vor wenigen Jahren wurde entdeckt, dass die Crohn-Patienten offenbar ein Defizit in ihrem angeborenen Immunsystem des Darms aufweisen. Sie bilden weniger "Defensin"-Abwehrproteine.

Univ.-Prof. Dr. Walter Reinisch von der Universitätsklinik für Innere Medizin IV in Wien: "Man hat bei Morbus Crohn, der das Ende des Dünndarms betrifft, mit weniger Alpha-Defensin in Verbindung gebracht. Bei Morbus Crohn des Dickdarms gibt es ältere Arbeiten, die Beta-Defensin (ebenfalls einen Mangel daran, Anm.) als möglichen Faktor zeigen."

Die Untersuchung

Das Wissenschafterteam unter Dr. Klaus Fellermann und Univ.-Prof. Dr. Eduard F. Stange vom Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart untersuchte nun in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (Heidelberg) sowie Gastroenterologen in Cleveland (USA) und Wien (Reinisch und Dr. Alexander Teml) verschiedene Gruppen von Morbus Crohn-Patienten auf die Zahl der Kopien des Beta-Defensin 2-Gens in den Zellen. Das Ergebnis: Patienten mit Morbus Crohn des Dickdarms hatten in vielen Fällen nur drei Kopien dieser Erbanlage statt vier.

Seit längerem wird vermutet, dass es dadurch bei den Patienten zu einer geringeren Produktion dieses körpereigenen "Antibiotikums" im Darm kommt. Bakterien könnten sich an die Darmschleimhaut leichter anheften und für Entzündungen sorgen. Doch eine wirklich "ausgemachte Sache" ist das noch nicht. Reinisch: "Unsere wissenschaftliche Arbeit gibt einen neuen Hinweis. Doch ob ein Mangel an Defensinen die eigentliche Ursache für Morbus Crohn oder eine sekundäre Erscheinung ist, bleibt weiterhin unklar." (APA)

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