Kopf des Tages: Julius Meinl V.

31. Juli 2006, 13:53
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Die diskreten Geschäfte eines Bankers

Wenn Finanzminister Karl-Heinz Grasser sagt, dass er sich bei der Einladung auf die Yacht erwartet habe, "interessante Menschen zu treffen und interessante Gespräche zu führen", dann hat er damit Recht. Von den Meinls eingeladen zu werden gehört zum Feinsten. Julius V. und seine Frau Franziska sind mit Francesca Habsburg ebenso befreundet wie mit dem europäischen Geldadel. Eine Einladung auf eine (wie Meinl betont: gecharterte) Yacht, auf das Anwesen im steirischen Pöllau, die Villa in Grinzing oder in die Häuser in London oder Somerset versprechen Eintritt in ein abgeschlossenes, luxuriöses Kondominium, das sich selbst von der Seitenblicke-Gesellschaft abgrenzt.

Außerhalb seines elitären Zirkels wird Julius Meinl als reserviert beschrieben. Als ein Mensch, der sich anderen nur schwer öffnet - und Journalisten schon gar nicht. Das mag auch an der rigiden Erziehung liegen, die der Spross des Handels- und Banker-Clans genossen hat, und an der Dominanz der erfolgreichen Vorväter.

Doch hat Julius Meinl seine berufliche Laufbahn stark nach seinem Geschmack geschneidert: Nach einem Bankwissenschaftsstudium in St. Gallen, wo auch jetzt der 20-jährige Sohn Julius VI. für Späteres vorbereitet wird, zog es ihn von Anfang an mehr in die Welt der Finanz denn in die des Lebensmittelhandels. Er absolvierte Praktika bei Investmentbanken in den USA und in London. Aus der Zeit in den USA resultiert die Freundschaft mit Wolfgang Flöttl jun.

1983 übernahm er die 1923 gegründete Meinl Bank. 1999 verkaufte er die traditionsreichen Feinkostläden mit Ausnahme des Gourmettempels am Graben. Den Verkauf seines Imperiums, von dem die Familie während der Nazi-Zeit enteignet war, empfand nicht nur seine Familie als unverzeihlichen Tabubruch. Auch die Kronen Zeitungmeinte damals, die hohe Verluste machenden Meinl-Läden seien eine Art unverkäufliches Kulturgut, ebenso wie die Sängerknaben oder die Lippizaner.

Mittlerweile sind die Meinl-Supermärkte Geschichte, geschluckt von Rewe (Billa) und Spar. Das Bankgeschäft konzentriert sich auf die hoch profitablen "Nischen"Immobilienfinanzierung im Osten und Vermögensverwaltung.

Der Clan ist laut Wirtschaftsmagazin Trenddie neuntreichste Familie Österreichs; ihr Privatvermögen wird auf 1,9 Mrd. Euro taxiert.

Das Auftreten des 46-jährigen Bankers wirkt bewusst unterkühlt, quasi "very british": im maßgeschneiderten Doppelreiher, sehr oft mit Nadelstreif; die Krawatte zum doppelten Windsorknoten gebunden. Britischer Lebensstil, der aus 16 Jahren England resultiert. "Ich mag die Art der Engländer, sich voneinander ein bisschen reserviert zu halten", sagte er einmal in einem seiner wenigen Interviews. (Johanna Ruzicka , DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.7.2006)

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    Julius Meinl pflegt den gesellschaftlichen Umgang mit Kunden und Politikern.

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