Kommentar: Mück und Elefant

26. Juli 2006, 12:18
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Blaue Rempler zur Primetime muss die Demokratie aushalten. Auch die im ORF

Danke, Werner Mück - könnte die FPÖ sagen, denn die Streichung von der Gästeliste für die großen ORF-Konfrontationen vor der Nationalratswahl durch den ORF-TV-Chefredakteur liefert den Freiheitlichen zumindest ein gefundenes Fressen für Mythenbildung in eigener Sache - was sie bereits ausführlich tun. "Medien-Terrorismus"und "Mobbing" sind noch die harmloseren Selbstmitleidsphrasen, die FP-Chef Heinz-Christian Strache ausgekommen sind, vermeintlich drohende "Internierungslager für FP-Funktionäre" eine verbale Entgleisung sondergleichen. Das alles spricht für sich selbst - und gegen die FPÖ. Dieses Geschäft erledigen die Blauen selbst am besten. Da brauchen sie keine Helfershelfer wie Mück.

Bedenklich

Die willkürliche Entscheidung des Fernsehmachers, Strache nur zur "Elefantenrunde" der Mini-Elefanten, also der Kleinparteien ohne Parlamentsklub, einzuladen, ist aber auch aus demokratiepolitischer Sicht problematisch. Warum soll eine der Parlamentsparteien nicht teilnehmen? Warum ihr oranger Ableger schon? Nur weil der vom schwarzen Kanzler in einer Koalition geduldet wird? Mücks Argumentationslinie ist nicht stichhaltig: Er will nur Parteien zu den Duellen einladen, die im Parlament in Klubstärke vertreten sind. Im Hohen Haus gibt es keinen FPÖ-Klub mehr. Es gibt aber auch keinen BZÖ-Klub. Es gibt den "Freiheitlichen Klub"mit orangen und blauen Mandataren, die alle 2002 auf der Liste FPÖ gewählt wurden.

Intervention

Mücks Interpretation, aus dem orange-blauen Gebilde einen BZÖ-Klub zu konstruieren, mutet in harmloser Lesart beliebig an, in weniger wohlmeinender ist es eine Intervention in den Wahlkampf durch die ORF-Spitze. Und das ist in einem öffentlich-rechtlichen Sender nicht opportun. Blaue Rempler zur Primetime muss die Demokratie aushalten. Auch die im ORF. (DER STANDARD; Printausgabe, 18.7.2006)

Von Lisa Nimmervoll
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