Grelle Komödiantik im Schlosstheater zu Schönbrunn

17. Juli 2006, 19:35
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Johann Strauß' Operette "Wiener Blut" inszeniert von Volker Vogel verdient wohl die Palme aller derzeit in Österreich laufenden Sommeroperetten

Bloß nicht nach Greiz versetzt werden! Das ist freilich nicht die einzige Sorge von Balduin Graf Zedlau, Gesandtschaftssekretär des (fiktiven) deutschen Kleinstaates Reuß-Schleitz-Greiz in Johann Strauß' Operette Wiener Blut, hat er doch gleichzeitig drei Liebesaffären zu koordinieren. Der Ringelspielbesitzer Kagler, der seine liebe Not mit dem hessischen Zungenschlag hat (und vice versa), versteht statt "Greiz" nur "Graz" und infolgedessen nicht, was an einer solchen Versetzung denn so schlimm sein soll.

Was die Regiearbeit betrifft, so verdient dieses "Wiener Blut" in einer Inszenierung von Volker Vogel wohl die Palme aller derzeit in Österreich laufenden Sommeroperetten. Bei keiner anderen wird die Doppelbödigkeit des Genres so spürbar, und bei keiner anderen blitzt die Komödiantik so grell und hat das Publikum so viel zu lachen. Obwohl diese Inszenierung mit den bescheidenen Ausstattungsmitteln eines Kammerspiels auskommt, im allerdings opulent-barocken Schlosstheater von Schönbrunn. Dort findet heuer im zweiten Jahr das musik theater schönbrunn statt, gleitet von Martin Turba.

Erfolgsteam: Volker Vogel als Regisseur, Operettenaltmeister Herbert Mogg als Dirigent, Susanne Kirnbauer als Choreografin. Das hochmotivierte junge Ensemble spielt mit einer Verve, die man dem ansonsten wohl nicht so sanguinisch geprägten Wiener Blut kaum zugetraut hätte:

Martin Mühle als Graf Zedlau, Elisabeth Flechl als seine Frau Gabriele, Cornelia Zink als seine Geliebte Franziska, und Iva Mihanovic mit herrlicher Soubrettenstimme als seine Liebschaft Pepi. Regisseur Volker Vogel selbst singt die Partie des Grafen Ypsheim, der die Burleske noch um eine Drehung toller laufen lässt, Andreas Sauerzapf als Kammerdiener Josef ist die wienerische Version des Barbiers von Sevilla.

Und Götz Kaufmann als Karussellbetreiber im Prater ist für die derben Schmähs sowie ein Couplet zuständig. Fazit (aus dem Mund von Gräfin Gabriele): "So sind sie, die Männer - zuerst Don Juan, dann Otello!" (hast/DER STANDARD, Printausgabe, 18.7.2006)


musik theater schönbrunn, bis 27. 8.
  • "So sind sie, die Männer, zuerst Don Juan, dann Otello": Michael Heim (Graf Zedlau) und Andreas Sauerzapf (Josef) im ersten Akt von "Wiener Blut".
    foto: charlotte oswald

    "So sind sie, die Männer, zuerst Don Juan, dann Otello": Michael Heim (Graf Zedlau) und Andreas Sauerzapf (Josef) im ersten Akt von "Wiener Blut".

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