Israel spürt Rückenwind für Offensive

18. Juli 2006, 06:42
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Waffenstillstand wird hinausgezögert, die Hisbollah soll so hart wie möglich getroffen werden

Während die diplomatischen Initiativen noch in den Anfängen steckten, machten die Israelis am Montag kein Hehl daraus, dass sie einen Waffenstillstand hinauszögern wollen, um die Hisbollah so hart wie möglich zu treffen. Israel spürt noch keinerlei internationalen Druck, und Kommentatoren interpretierten die Nahost-Erklärung der G-8 als "Rückenwind"für die Offensive im Libanon: "Die internationale Unterstützung und die Standfestigkeit unseres Hinterlands geben uns die erforderliche Zeit", sagte Verteidigungsminister Amir Peretz.

Unter den Zielen der israelischen Luftangriffe waren abermals der Flughafen in Beirut, dazu der Seehafen bei Tripoli, Radarstationen der libanesischen Armee und Stützpunkte der Hisbollah, insbesondere in Baalbek und im Schiitenviertel von Beirut. Allein in der Nacht auf Montag sollen dabei 19 Libanesen getötet worden sein, darunter acht Soldaten der regulären Armee. Am Nachmittag griffen die Israelis fünf Lastwagen, die Raketen transportiert haben sollen, und drei Brücken an. Vorrangige Mission der Piloten soll jetzt aber nicht mehr die Bombardierung der "Infrastruktur" sein, sondern der Versuch, das Raketenfeuer der Hisbollah zu bremsen. Libanesische TV-Berichte, wonach ein israelisches Flugzeug abgeschossen worden sei, wurden von Israel dementiert.

Neue Raketenangriffe

Unterdessen demonstrierte die Hisbollah, dass sie noch Reserven hat. Raketen regneten auf Tiberias, Zfat, Carmiel und andere Orte in einem Streifen von 40 Kilometern ins Landesinnere hinein. In Haifa bekam ein dreistöckiges Haus einen Volltreffer ab und stürzte ein, wobei sechs Personen verletzt wurden. Israelische Experten schätzen, dass die Hisbollah ihre Langstreckenraketen, wenn überhaupt, erst in der letzten Phase einsetzen dürfte, wenn ihre Lage aussichtslos geworden ist. (Ben Segenreich aus Tel Aviv/DER STANDARD, Printausgabe, 18. 07. 2006)

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