Linz: Muslime wollen eigenen Friedhof

18. Juli 2006, 18:34
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2000 Unterschriften in zwei Wochen gesammelt - Bürgermeister sieht Platzprobleme

Linz - Wirbel um die letzte Ruhe herrscht jetzt unter den Muslimen in Oberösterreich. Nicht länger will man sich mit der einzigen "islamischen Sektion" im Land ob der Enns am Friedhof St. Martin bei Traun zufrieden geben und macht sich jetzt via landesweiter Unterschriftenaktion für einen eigenen islamischen Friedhof in Linz stark.

"Innerhalb von zwei Wochen haben fast 2000 Muslime aus ganz Oberösterreich für eine eigene Ruhestätte unterschrieben", sieht der Linzer Bestatter Mohammed Merah einen dringenden Handlungsbedarf. Es sei Teil der Integration, dass man für Muslime auch einen Rahmen schafft, ihre Verstorbenen zu bestatten. "Man darf nicht vergessen, dass Oberösterreich für viele Muslime ihre Heimat ist. Die wollen hier beerdigt werden und nicht im Herkunftsland der Vorfahren, dass für sie eigentlich fremd ist", schildert Merah im Standard-Gespräch. Man habe zwar am Friedhof St. Martin ein eigenes Gräberfeld, der passende Rahmen fehle aber. "Im Islam gibt es zum Beispiel keine Waschung des Verstorbenen und vor allem gibt der Glaube vor, dass der Tote möglichst rasch beerdigt werden soll. Die Realität sieht aber so aus: An Feiertagen und Wochenenden sind Bestattungen nicht möglich und Angehörige müssen oft Tage warten", ärgert sich Merah.

"Völlig verwahrlost"

Man wolle von der Stadt Linz nur ein passendes Grundstück, für die Errichtung und Erhaltung würde dann die Islamische Glaubensgemeinschaft in Oberösterreich aufkommen, betont der Linzer Bestatter.

Ärger macht sich aber unter den Muslimen auch über den Zustand der Grabanlage für ihre Glaubensangehörigen am Friedhof St. Martin breit. "Es ist beschämend - das ganze Friedhofsareal ist wunderschön und sauber gepflegt, nur der islamische Teil ist völlig verwahrlost und verwuchert", spart Bestatter Merah nicht mit Kritik am Erhalter Linz AG. Dort weist man die Kritik von sich: "Wenn alles wirklich so schlimm wäre, dann wäre bereits eine Flut an Beschwerden bei uns eingelangt. Bis dato hat sich aber niemand gemeldet", rechtfertigt sich Wolfgang Stampfl, Geschäftsführer der Linz AG Service, auf Standard-Anfrage. Man leide derzeit aber sicher auch "unter einer gewissen Personalnot, da ein Mitarbeiter krank ist", räumt Stampfl ein.

Neuer Wunsch

Den Wunsch der Muslime nach einem eigenen Friedhof ist für den Linz-AG-Geschäftsführer neu: "Erst vor kurzem hat es Gespräche mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft gegeben, da wurde dieses Thema nicht angesprochen."Außerdem sei es nicht "die Aufgabe der Linz AG, Friedhöfe zu errichten", dies sei Sache der Stadt. Es gebe dafür klare Gesetze. "Zuerst muss beim Land ein entsprechender Antrag gestellt werden, dann entscheidet letztlich die Kommune", erläutert Stampfl. Mit dem Linzer Bürgermeister Franz Dobusch (SPÖ) habe es, so Merah, bereits ein Gespräch gegeben: "Er war grundsätzlich interessiert, sieht aber Platzprobleme." (Markus Rohrhofer DER STANDARD-Printausgabe, 18.07.2006)

  • Bisher gibt es eine "islamische Sektion" in Traun. Oberösterreichs Muslime wollen jetzt einen eigenen Friedhof.
    foto: markus rohrhofer

    Bisher gibt es eine "islamische Sektion" in Traun. Oberösterreichs Muslime wollen jetzt einen eigenen Friedhof.

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