Der trügerisch blaue Planet

26. Juli 2007, 12:27
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Wasser ist zwar das häufigste Element, doch nur ein Prozent ist für den Menschen direkt brauchbar - Die Verteilung ist ungerecht

Hierzulande rinnt die nasse Kostbarkeit täglich ganz selbstverständlich aus dem Wasserhahn. Doch das ist nicht überall auf der Erde so. Laut einer Unesco-Publikation zum diesjährigen Weltwassertag müssen afrikanische und asiatische Frauen acht Kilometer an Fußmarsch zurücklegen um frisches Wasser zu bekommen.

Wasser spaltet die Welt

Wenn es um reich und arm geht, ist auch das wertvolle Wasser ein wichtiger Faktor: Im Vergleich zu Afrika sind die Europäer und Amerikaner Wasser-Millionäre. Der Durchschnittsafrikaner lebt mit weniger als 20 Litern pro Tag, während der durchschnittliche Europäer mehr als 150 Liter für sich beansprucht, der Nordamerikaner braucht mehr als 300 Liter.

Ungleiche Ressourcen

Wasser ist zwar ein Allgemeingut und kennt keine Grenzen, aber über eine Milliarde Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Mehr als zwei Milliarden Menschen haben kein Wasser zum Waschen, also nicht einmal eine sanitäre Versorgung. Wie ungleich die Wasserressourcen weltweit aufgeteilt sind, veranschaulicht folgendes Beispiel: Asien hat 60 Prozent der Weltbevölkerung mit nur 36 Prozent der Weltwasserressourcen zu versorgen – Nord- und Mittelamerika versorgen hingegen nur acht Prozent der Weltbevölkerung mit elf Prozent des weltweiten Wassers.

Ungleicher Verbrauch

"Das Problem ist nicht nur, dass die Ressourcen ungleich verteilt sind, sondern dass gleichzeitig auch der Verbrauch ungerecht verteilt ist", erklärt Gerhard Egger, Wasserexperte des WWF. Beispielsweise verbraucht der Durchschnitts-Österreicher zwischen 135 und 150 Liter pro Tag. Berechne man aber mit ein, was wir zusätzlich noch an Produkten konsumieren, seien es bereits 4.000 bis 5.000 Liter, die wir aber nicht in Österreich konsumieren. "Diesen "ökologischen Fußabdruck" verteilen wir weltweit und das leider oft in Ländern, die sowieso schon wasserarm sind", erklärt Egger.

Die große Ausnahme - das wasserreiche Österreich

Seen, Flüsse, Feuchtgebiete und unterirdisches Wasser bescheren Österreich aber einen Wasser-Reichtum. So zirkulieren rund 127 Millionen Kubikmeter Wasser hierzulande im Wasserkreislauf. Der Löwenanteil davon stammt aus Niederschlägen. Damit wird ein Gewässernetz gespeist, das 100.000 Kilometern lang ist. Dazu kommen noch 25.000 stehenden Gewässer und diverse Feuchtgebiete, Moore, Quellen, Gletscher und das Grundwasser .

Landwirtschaft und Industrie

Siebzig Prozent des für den Menschen bestimmten Wassers schluckt weltweit die Landwirtschaft, vor allem die Bewässerung. 22 Prozent fallen auf die Industrie und acht Prozent auf den häuslichen Gebrauch. Der Einsatz wassersparender Techniken in der Landwirtschaft, zum Beispiel durch Tröpfchenbewässerung wäre ein Fortschritt, so der Wasserexperte.

Verschmutzung und Verschwendung

Die größte Wasserverschwendung – und gleichzeitig auch Wasserverschmutzung betreiben weltweit die Industrienationen: Laut Unesco werden 80 Prozent der Verschmutzung durch sie verursacht. Dazu kommt, dass ein Großteil des Industriemülls in den Entwicklungsländern ungefiltert in die knappen Wasserressourcen gelangt. Schlechte Wasserqualität ist für 80 Prozent aller Krankheiten verantwortlich: Bilharziose (parasitäre Tropenerkrankung), Darmparasiten, Hepatitis A, Diarrhöe, Malaria, ect. Fünf Millionen Menschen weltweit sterben jährlich an durch Wasser übertragenen Krankheiten, die Hauptbetroffenen sind Kinder.

Lösungsansatz

Ein Weg aus den Wasserproblemen soll das Millenium Developement Project der UNO sein. Das Ziel: Bis 2015 muss unter anderem die Zahl der Menschen, die keinen gesicherten Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Möglichkeiten haben, halbiert werden. "Es gibt schon seit 40 Jahren globale Übereinkommen und Verträge um die Wasserversorgung und -verfügbarkeit zu verbessern, die Millenium Developement Goals sind aber das, was am ambitioniertesten und mit der größten Vehemenz verfolgt wird", sieht auch Egger einen Anlass zur Hoffnung auf eine nachhaltige Verbesserung der weltweiten Wassersituation. (mat)

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Links

Wasserseite der Unesco

United Nations Environment Programme

International Water Management Institute

Internationale Wasserprojekte WWF

Worldwatch Institute

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