Heute gibt es nichts zu lachen

18. Juli 2006, 16:50
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Der Höhepunkt steht an, der Mythos, die 21 Kehren des Teufels, das Monaco des Radsports - kurz gesagt: es geht nach L'Alpe d'Huez

Gap/Frankreich - Der Mythos der Tour de France hat einen Namen: L'Alpe d'Huez. Wenn am Dienstag der Tross der Tour de France zum 25. Mal die 13,8 Kilometer hinauf in die Ski-Station klettert, werden wieder rund eine halbe Million Fans die Radprofis entlang der 21 Kehren zum Ziel in 1.850 m Höhe anfeuern. "Ein Sieg dort oben ist vergleichbar mit einem Erfolg in der Formel 1 in Monaco oder im Skisport in Kitzbühel", erklärte Peter Wrolich.

Doch mit den Prämien in der Formel 1 oder im Tennis lassen sich jene im Radsport nicht vergleichen. Ein Helfer bekommt für eine Schlussplatzierung ab Rang 91 für dreiwöchige Strapazen lächerliche 400 Euro, für den zehnten Gesamtrang sind es auch nur 3.800 Euro aus dem Gesamtpreisgeldtopf von 2,03 Millionen. Doch ein Erfolg in L'Alpe d'Huez ist mehr wert als die offiziellen 8.000 Euro für einen Tour-Tagessieg. Peter Wrolich schätzt, dass der Gewinner an Prämien seines Teams und Verträgen für Kriterien rund 350.000 Euro kassiert.

Sicherheit immer ein Thema

Weil die Begeisterung der Fans oft ausufert, fürchten manche Fahrer um ihre Sicherheit, knapp 1.000 Polizisten sind im Einsatz. Georg Totschnig spürt, wie die Luft dünner wird, wenn die zahllosen Fans nur noch ein schmales Band der Fahrbahn frei lassen. "Da bekommt man fast Platzangst, es gibt kaum noch Sauerstoff, erst dort, wo Gitter stehen, zirkuliert die Luft wieder besser", erklärte der Tour-Routinier.

Von einem Sieg in in dem legendären Tour-Ort träumt auch er. "Das wäre etwas ganz Spezielles. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich L'Alpe d'Huez nehmen, auch wenn ich nicht unbedingt heiß darauf bin, das eine Kehre meinen Namen trägt. Ein Sieg in Morzine würde mich genauso freuen", sagte Totschnig.

Ein Wallfahrtsort der Radfans

Seit 1952 quälen sich die Profis von 706 auf 1.850 m Höhe mit Steigungen bis 11,5 Prozent (durchschnittlich 7,9). Erster Sieger war Fausto Coppi, danach dauerte es 24 Jahre bis zur Rückkehr. Doch seit den Siebziger-Jahren ist L'Alpe d'Huez zu einer Art Wallfahrtsort für die Radfans geworden, die mit Wohnmobilen schon Tage vorher die besten Plätze besetzen oder am Renntag selbst mit dem Rad hinaufklettern.

Die "21 Kehren des Teufels", die die Namen der Etappensieger tragen, waren Schauplatz von Triumphen und Tragödien. Niederländer wie Joop Zoetemelk (1976, 1979), Steven Rooks (1987) und Gert-Jan Theunisse (1989) siegten vor Tausenden Landsleuten, die die letzte Kehre in ein Meer in Orange verwandelten. 1986 fuhren Gesamtsieger Greg LeMond und Bernard Hinault, der als Erster gewertet wurde, Hand in Hand über die Linie, Marco Pantani kletterte 1997 in Rekordzeit von 37:35 Minuten ins Ziel.

Giuseppe Guerini wurde 1999 von einem Fan vom Rad gestoßen, rettete sich aber als Erster über die Linie. 2001 trug sich Lance Armstrong in die Siegerliste ein, er legte mit seiner Attacke gegen Jan Ullrich den Grundstein zum dritten von insgesamt sieben Toursiegen. Vor zwei Jahren triumphierte er als bisher letzter Sieger auch im Bergzeitfahren. Von den Österreichern beeindruckte Peter Luttenberger am meisten. (APA)

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    Es darf gepilgert werden.

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