Sexistischer Streifen

18. Juli 2006, 07:00
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Mit drallen Dekolletées und geschminkten Gesichtern will die Stadt Graz neuerdings TouristInnen anlocken - Stattdessen gibt es nur Zitronen

Die Stadt Graz lässt sich nicht lumpen, wenn es um die Imagevermittlung nach außen geht: 800.000 Euro kostete der neue Werbefilm für Graz, der nun in der ganzen Welt Werbung für die Murstadt machen und BesucherInnen anlocken soll - 300.000 zahlte die Stadt, den Rest SponsorInnen aus der Wirtschaft. Leider ist der Film aber alles andere als ein Aushängeschild: Er ist sexistisch, geschmacklos und eine Zumutung, wie auch Frauenstadträtin Tatjana Kaltenbeck-Michl nach der Vorführung des teuren Streifens im Grazer Gemeinderat feststellte.

Den Damen kommt im Graz-Filmchen tatsächlich eine sehr beschränkte Rolle zu: Sie dürfen lediglich lächeln und für die Männer posieren, um schließlich überglücklich endlich geheiratet zu werden. Alle paar Sequenzen hält eine zentimeterdick geschminkte Frau wahlweise ihr üppiges Dekollete oder ihre Beine in die Kamera. Auch abgesehen davon ist der Film schwer zu ertragen: Kein Mensch ist älter als 25 oder sozial benachteiligt, weshalb alle in exklusiven Lokalen speisen und ständig lächelnd ziellos durch die Straßen laufen. MigrantInnen kommen im Werbefilm gleich gar nicht vor, es sei denn in Form von tanzenden Asiatinnen auf der davonschwimmenden Murinsel.

Gefährliche Drohung

Welches Bild wollen der steirische Regisseur Curt Faudon und Graz-Tourismus-Chef Dieter Hardt-Stremayr hier vermitteln? Das einer lebendigen, pulsierenden Stadt, zu der schöne Menschen nun einmal dazugehörten, verteidigt der Tourismus-Chef den Streifen. Dass der Werbefilm die Frauen dieser Stadt zu Sexobjekten degradiert, die mit überquellenden Dekolletes und Stilettos ihr einziges Glück darin sehen, auf den Traumprinzen zu warten, scheint die Herren nicht zu stören.

Angesichts dieser Bilder klingt es wie eine gefährliche Drohung, wenn Hardt-Stremayr meint, der Film solle die nächsten zehn Jahre aktuell bleiben und Graz international bewerben. Die Grazerinnen wollen nicht auf ihre Oberweite reduziert werden – wie übrigens auch keine andere Frau. Nicht zehn Jahre lang und nicht einmal einen einzigen Tag! Es geht nicht an, dass Werber, Regisseure und Touristiker täglich Kleingeld aus sexistischen Klischees schlagen – und zwar auf Kosten der Frauen und ihrer Leistungen, die ganz und gar nicht darin bestehen, für Männer mit Busen und Popo zu wackeln. (donja)

18.07.2006
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    faudon movies
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