Regenwald-Streit in Papua: Regierung greift Umweltschützer an

24. Juli 2006, 13:24
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NGOs riefen Konsumenten zum Boykott von Tropenhölzern auf - Forstminister sieht Schaden für Holzindustrie

Port Moresby - Der Forstminister des Inselstaates Papua Neuguinea, Patrick Pruaitch, hat heftige Kritik an zahlreichen Umweltorganisationen wie etwa Greenpeace und dem WWF geübt, berichtet das "Pacific Magazine": Die NGOs ruinieren die Wirtschaft des Staates, lautet die "Anklage". Die Aussagen über den Holzeinschlag auf der tropischen Insel hätten der Wirtschaft des Landes schwer geschadet, so der Minister. "Immerhin sind 10.000 Menschen in Papua Neuguinea in der Holzindustrie tätig."

"Die Umweltorganisationen haben mit ihrer Negativ-Kampagne in Australien und in Europa Konsumenten aufgerufen, keine Tropenhölzer von Papua Neuguinea mehr zu kaufen", erklärte Pruaitch. Die Forstwirtschaft trage mit knapp fünf Prozent zum BIP des Staates bei. Der Minister ging auch auf die Vorwürfe des illegalen Holzeinschlags in den Wäldern der Insel ein: "Die Nutzung der Wälder ist nicht illegal", subsummiert der Politiker. "In den vergangenen drei Jahren wurden die Aktivitäten der Forstindustrie genau unter die Lupe genommen", wie der Minister betonte. "Dabei konnte festgestellt werden, dass die meisten Holzeinschläge den Gesetzen entsprechend durchgeführt wurden." Dort wo illegale Aktivitäten festgestellt wurden, konnten diese sofort unterbunden werden.

Nachhaltige Nutzung abgelehnt

Der Minister gab an, dass der Holzeinschlag, wie von der Weltbank gefordert, von einer unabhängigen Stelle aus, überwacht werde. Das sei Bedingung dafür gewesen, um Kredite für diesen Industriezweig zu erhalten. "Allerdings wurden die Kredite deshalb nicht gewährt, weil die Weltbank gewisse Bedingungen an die Kreditvergabe gebunden hatte, die für die Regierung seines Landes inakzeptabel gewesen wären", erklärte der Minister. Die Weltbank sei von einem nachhaltigen Holzeinschlag ausgegangen. "Das lehnt die Regierung von Papua Neuguinea allerdings ab, da diese Art der Forstnutzung wirtschaftlich untragbar ist."

Bereits im Mai 2006 haben Umweltorganisationen auf die Zerstörung der Regenwälder in Neuguinea hingewiesen: Beim Pacific Islands Leaders Meeting (PALM4) wurde ein Stopp der "Waldzerstörung" gefordert. Anfang des Jahres hatte eine Studie der Umweltorganisation Forest Trends auf den drohenden Kahlschlag der Insel hingewiesen. Demnach ist nicht nur der östliche Teil der Insel Neuguinea - das Staatsgebiet von Papua Neuguinea - sondern auch der westliche Teil, die indonesische Provinz Papua, vom illegalen Holzeinschlag betroffen.

Nach Angaben von Pruaitch entbehre die Kritik jeglicher Logik, denn nur 33 Prozent der Regenwälder sollen kommerziell genutzt werden, fünf Prozent sind geschützt und 63 Prozent aufgrund ihrer geografischen Lage als "unproduktiv" eingestuft. (pte)

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    Aktionen wie diese stoßen Papuas Forstminister mächtig auf.

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