Fluglotsen: Austro Control am Limit

19. Juli 2006, 08:55
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Flugverkehr nahm 2005 um über 10 Prozent zu - Fluglotsen überlastet -Engpässe führten bereits zu Verspätungen bei AUA

Die für die österreichische Flugsicherung zuständige Austro Control sieht sich an ihrer Kapazitätsgrenze und die Fluglotsen am Ende ihrer Belastbarkeit. Die Lotsen jonglieren bereits mit Arbeitszeiten von bis zu 180 Monatsstunden - "Ad-hoc"-Überstunden nicht miteingerechnet. Die angespannte Arbeitssituation der Fluglotsen soll heute Nachmittag in einer Gesprächsrunde zwischen Gewerkschaft und Austro Control diskutiert werden.

Die Austro Control dirigiert täglich bis zu 3.000 Flugzeuge durch den heimischen Luftraum. Allein im Vorjahr waren es über 1 Million Flugbewegungen, die von etwa 270 Fluglotsen kontrolliert und die Maschinen auf die richtige "Luftstraße" gelenkt wurden.

In den vergangenen 15 Jahren hat sich der Flugverkehr auf den innereuropäischen Routen verdoppelt, jährlich wird mit Wachstumsraten von 4 Prozent kalkuliert. In Spitzenzeiten landen und starten am Flughafen Wien-Schwechat 80 Flugzeuge pro Stunde.

Verspätungen

Allein mit den Austrian Airlines (AUA) ist die Abwicklung von durchschnittlich 37 Landungen pro Stunde (Slots) vereinbart - auf Grund der Sommersaison wären sogar 40 bis 45 Slots nötig. In den letzten Wochen waren oft nur 25 Slots pro Stunde vergeben, was bedeutet, dass viele Passagiere der Austrian-Flüge mit Verspätungen konfrontiert waren und nicht pünktlich abfliegen konnten.

Der Grund liegt im Personalengpass bei der Austro Control. Es fehlen rund 40 Fluglotsen. Zurzeit arbeitet man mit 250 bis 270 Vollzeit-Fluglotsen. Erst mit 2007 wird die Hälfte der derzeit 45 in Ausbildung befindlichen Fluglotsen voll einsetzbar sein. Durch die lange Ausbildungszeit für Fluglotsen von 3 bis 4 Jahren sind kurzfristige Aufstockungen nicht möglich. Akquisitionsbemühungen für Lotsen, auch in Deutschland, sind am Laufen.

Alarm

Nun hat auch die Gewerkschaft für die Beschäftigten im Handel, Transport, Verkehr (HTV) Alarm geschlagen. Der Vorsitzende der Fachgruppe Flugsicherungsbetrieb, Norbert Payr, erklärte kürzlich, dass die Arbeitsbedingungen für die Fluglotsen sich in den vergangenen Wochen unter anderem dadurch verschärft hätten, weil es immer wieder zu dramatischen Situationen im Luftraum über Wien-Schwechat gekommen sei und komme. "Wir wollen nicht, dass es zu einer Katastrophe kommt", erklärte er.

Die Austro Control ist seit 1994 für die Flugsicherung im österreichischen Luftraum zuständig. Mit insgesamt 900 Mitarbeitern wickelt das Unternehmen den Flugverkehr ab. Auch die Sicherheit der Flugzeuge und die Ausbildungszentren für Piloten werden kontrolliert. Der Schwerpunkt liegt aber auf dem "reibungslosen, möglichst pünktlichen und wirtschaftlichen Flugbetrieb". Daneben werden alle notwendigen Luftfahrtinformationen und Wetterdaten zu sicheren Durchführung eines Fluges geliefert.

Normalisierung erwartet

Die Zahl der Flugbewegungen hat sich 2005 um 10,2 Prozent auf 1,04 Millionen gesteigert, wobei die Billigairlines einen Anteil von etwa 30 Prozent ausmachten. Für heuer wird von Seiten der Austro Control wieder mit einer "Normalisierung" des Flugaufkommens auf europäisches Niveau gerechnet, was einem 4-prozentigen Wachstum entspricht.

Der Umsatz der Austro Control ist im Vorjahr durch die erhöhten Flugbewegungen um rund 4 Prozent auf 213 Mio. Euro geklettert, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) ist um 58 Prozent auf 13,1 Mio. Euro gestiegen.

Fluglotsen haben auf Grund ihrer großen Verantwortung und der hohen Belastung mit 80.000 bis 100.000 Euro (inkl. Überstunden) ein im österreichischen Vergleich hohes Jahresgehalt aufzuweisen und können ab dem 55. Lebensjahr in Pension gehen. Die Normalarbeitszeit laut Kollektivvertrag beträgt 35 Wochenstunden, dazu kommen im Schnitt 15 Prozent Überstunden - macht zusammen 40,25 Stunden. Die Gehälter der Fluglotsen haben sich mit dem heurigen Kollektivvertragsabschluss inklusive aller Zulagen und Prämien um mehr als 6 Prozent erhöht. Die KV-Gehälter für Austro Control-Mitarbeiter zählen zu den höchsten in Österreich.

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