Theodor Hänsch spürt wissenschaftliche Aufbruchstimmung

21. Juli 2006, 18:30
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Deutscher Physik-Nobelpreisträger zu Gast bei der Internationalen Konferenz für Atomphysik in Innsbruck

Innsbruck - Der deutsche Physik-Nobelpreisträger von 2005, Theodor W. Hänsch, hat seine inzwischen 40-jährige Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Quantenphysik mit den Worten zusammen gefasst, er wolle "die Welt, die Natur besser verstehen". Im Rahmen der 20. Internationalen Konferenz für Atomphysik (ICAP) in Innsbruck erklärte der Wissenschafter, dass die Welt zu 95 Prozent aus Sachen bestehe, die wir nicht sehen könnten. "Es ist ein spannendes Abenteuer, da genauer hinzuschauen", meinte der 64-Jährige.

Im Moment sei "wahnsinnig viel im Aufbruch". Besonders bei der ICAP, dem "wichtigsten Kongress der Atomphysik seit 40 Jahren", sei das bemerkbar. "Wenn man zur ICAP kommt, hat man jedes Mal die Erwartung, dass man auf neue Wege stößt. Noch nie war diese Hoffnung so begründet wie in diesem Jahr." Der gebürtige Heidelberger untersucht in seiner Arbeit am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching bei München die Wechselwirkung zwischen Atomen und Licht. Der "Pionier der Laserspektroskopie" wurde 2005 für die Entwicklung extrem genauer Messverfahren für Lichtfrequenz mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

Verständnis vor Anwendung

"Atome sind sehr wählerisch, was Farbe und Licht, also die Schwingungen pro Sekunde, die die Lichtwelle macht, betrifft. Wir stellen uns die Frage, was wir daraus über das Atom lernen können, um die Natur besser zu verstehen. Konkrete Anwendungen haben wir noch keine im Sinn", sagte der Physiker. Erst wenn genaue Messsysteme dafür vorhanden seien, könne man auch an Anwendungen denken. Quantencomputer, die Rechnungen genauer und effizienter lösen, seien noch in weiter Ferne.

Mit besseren Messwerken wie Quantenuhren könnten neue Fragen gestellt werden, prophezeite Hänsch. "Hatte Einstein wirklich schon völlig recht? Sind Naturkonstanten wirklich auf Dauer konstant?" Solche Uhren, in denen Atome mit der Frequenz von Licht schwingen wären zig-mal genauer als jene, die es jetzt gibt. Sie wären "zu gut um wahr zu sein". Sie könnten in der Satellitennavigation, in Flugzeugen, Raumsonden oder der Telekommunikation verwendet werden.

Werdegang

Hänsch ist der Erfinder des optischen Frequenzkamms, mit dem die Frequenzen des Lichts unter Zuhilfenahmen von Interferenzen wesentlich genauer als bisher bestimmt werden können. Weiters war er der Miterfinder des Verfahrens der Laserkühlung und entwickelte den ersten stufenlos durchstimmbaren monochromatischen Farbstofflaser. Hänsch war 14 Jahre lang als Professor an der Universität Standford in Kalifornien tätig und folgte 1986 einem Ruf nach München. Dort ist er Direktor am Max-Planck-Institut für Quantenoptik und Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität. Ursprünglich wollte er Kernphysiker werde. Als aber in Heidelberg einer der ersten Laser gebaut wurde, war er "sehr fasziniert" und verschrieb sich der Quantenforschung.

Acht Nobelpreisträger, 50 Vortragende und 820 Wissenschafter aus 45 Ländern nehmen von 16. bis 21. Juli an der ICAP teil. Die Konferenz sei der "Grundlagenforschung" gewidmet und von einer "spannenden Aufbruchstimmung" beherrscht, sagten die Veranstalter bei einer Pressekonferenz am Montag. Die letzte Internationale Konferenz für Atomphysik fand im Jahr 2004 in Rio de Janeiro statt, die nächste wird 2008 in den USA abgehalten. (APA)

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    Gruppenbild in Innsbruck - von links nach rechts: Atomphysiker Daniel Kleppner, Nobelpreisträger Theodor W. Häensch, Rainer Blatt (Akademie der Wissenschaften), Rudolf Grimm (Akademie der Wissenschaften), Nobelpreisträger William Philips und Peter Zoller (Akademie der Wissenschaften)

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