Jede dritte AUA-Maschine wegen Lotsen-Streit verspätet

2. August 2006, 16:46
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Flugverkehr nahm 2005 um über zehn Prozent zu - Gewerkschaft fürchtet um Sicherheit durch überlastete Fluglotsen

Wien – Am Montagabend fanden Gespräche zwischen dem Vorstand der für die österreichische Flugsicherheit verantwortlichen Austro Control und den Personalvertretern der Fluglotsen statt. Thema waren laut Gewerkschaftern die „unerträglichen Arbeitsbedingungen“. Gefordert wird eine Reduktion der Überstunden. Der Austro-Control-Vorstand hält zusätzliche Überstunden für "zumutbar".

Es gehe vor allem um den Ersatzdienst bei "Ad-hoc-Krankenständen", sagt Heinz Sommerbauer, Generalsekretär der Austro Control zum Standard, bisher hätten die Lotsen auch diese Ausfälle mit Überstunden kompensiert.

"Die Flughafensicherheit steht überhaupt nicht zur Diskussion. Wenn man unterbesetzt ist, muss man einfach die Kapazität zurücknehmen. Das ist langjährige Praxis", so Sommerbauer. "Es ist richtig, dass unsere Personaldecke dünn ist, weil die Entwicklungen im Flugverkehr in der Form nicht vorhersehbar waren. Aber wir haben schon 2004 massiv mit zusätzlichen Ausbildungen begonnen. Der Engpass wird spätestens 2007 überwunden sein."

Seitens der Fachgruppe Flugsicherheitsbetrieb in der Gewerkschaft wollte man vor Verhandlungsstart (vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe) keine Stellungsnahme abgeben. 290 Fluglotsen sind österreichweit im Einsatz, davon allein 200 in Wien. Auf jeden Fall fordert die Gewerkschaft "eine deutliche Aufstockung" des Personals.

Verspätungsinfo

"Aufgrund der Medienberichterstattung haben sich viele Passagiere vorab informiert", sagt Brigitta Pongratz vom Flughafen Wien. „Die Verspätungen am Wochenende lagen aber im Rahmen dessen, was wir in einer normalen Sommerwoche erleben.“ Beschwerden beim Flughafen hätte es keine gegeben. "Flugpassagiere wenden sich hier eher an die Fluggesellschaften." "Freilich, es trifft immer uns", bestätigt Johann Jurceka von den Austrian Airlines. Seit dem Frühjahr habe es immer wieder Bummelstreiks gegeben. 37 Landungen pro Stunde seien mit der Austria Control vereinbart, davon können derzeit nur 25 abgefertigt werden. Ergibt: zwölf verspätete Flüge pro Stunde. Die durch den "Bummelstreik" auftretenden Probleme seien mannigfaltig: erhöhter Treibstoffverbrauch, da man teils über Normalgeschwindigkeit fliege, um Verspätungen einzuholen; das Personal müsse Überstunden machen. Genaue Zahlen könne er nicht nennen, der Schaden werde sich für die AUA jedoch auf "einige Millionen Euro" belaufen, sagt Jurceka. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.7.2006)

  • Mit insgesamt 900 Mitarbeitern wickelt die Austro Control den Flugverkehr über Österreich ab.
    foto: standard/andy urban

    Mit insgesamt 900 Mitarbeitern wickelt die Austro Control den Flugverkehr über Österreich ab.

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