Grasser: "Rücktrittsforderungen lassen mich völlig ungerührt"

17. Juli 2006, 14:55
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Finanzminister zu Yacht-Einladung: "Man denkt sich nicht viel dabei" - Sieht keine Unvereinbarkeit und überlegt rechtliche Schritte

Wien - Finanzminister Karl-Heinz Grasser (V) weist die Vorwürfe der Opposition in Sachen Yacht-Ausflug mit Wolfgang Flöttl zurück. "Die Rücktrittsaufforderungen lassen mich völlig ungerührt", sagte Grasser am Montag im Ö1-Mittagsjournal - zumal bekannt sei, dass sich auch die Ex-Kanzler Franz Vranitzky und Viktor Klima mit Flöttl getroffen hätten und dessen Familie mit der Familie von Bundespräsident Heinz Fischer befreundet sei. "Am Ende des Tages wird sich herausstellen, dass die Malversationen bei anderen Händeschüttlern liegen", so Grasser.

"Rein zufällig"

Einmal mehr versicherte der Minister, das Zusammentreffen mit Flöttl sei rein zufällig gewesen und er habe mit dem in die BAWAG-Affäre verstrickten Investmentbanker nur "Smalltalk" betrieben, und keine "substanzielle Debatte" geführt. "Ich kenne den Herrn Flöttl de facto nicht", versicherte Grasser. Und: "Wenn man zu einem Abendessen eingeladen wird, an die obere Adria nach Kroatien, dann macht man einen Kurzabstecher hin und denkt sich nicht viel dabei." Er habe nicht gewusst, dass Flöttl auch auf der Gästeliste stehe und hätte sich damals (vor Auffliegen der BAWAG-Refco-Affäre, Anm.) auch nichts dabei gedacht.

"Wahltaktische Motive"

Dass ein Aufenthalt auf der privaten Yacht eines Bankiers für den Finanzminister unvereinbar sein könnte, weist Grasser zurück und versichert, sich stets "auf Punkt und Beistrich" ans Unvereinbarkeitsgesetz gehalten zu haben: "Können sie mir sagen, was an einem Abendessen und eineinhalb, zwei Tagen (auf der Yacht, Anm.) unvereinbar sein soll?" Er sieht hinter der Kritik der Opposition "wahltaktische Motive" und will nun prüfen, "welche rechtlichen Schritte man ergreifen kann".

Die FPÖ fordert dagegen wie SPÖ und Grüne den Rücktritt von Finanzminister Karl-Heinz Grasser (V). "Die Causa Flöttl erklärt nun endgültig die noble Zurückhaltung des Kristallprinzen in der BAWAG-Affäre", ätzte FP-Generalsekretär Herbert Kickl am Montag in einer Aussendung. Gemeinsam mit dem "Yuppie-Minister" versinke aber auch die ÖVP "im BAWAG Sumpf", glaubt Kickl. Grasser solle nun "aus Gründen der politischen Hygiene" seinen Hut nehmen. (APA)

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