Ein Yachtausflug schlägt Wellen

31. Juli 2006, 13:53
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Grasser und Flöttl kennen einander besser, als der Finanzminister zugeben wollte. Die Opposition will die Causa nun untersuchen

Wien - Franz Vranitzky ist normalerweise kein Mann der starken Worte. Doch beim "Sommergespräch" mit Funktionären am Wochenende in Linz fand der ehemalige SPÖ-Chef und Bundeskanzler sehr deutliche Worte: "Ein Politiker, der in der Öffentlichkeit lügt, gehört als solcher an den Pranger gestellt", sagte Vranitzky und bezog sich dabei auf Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Vranitzky hatte wohl den STANDARD vom Wochenende gelesen, wo exklusiv geschrieben stand: Grasser hat mit Wolfgang Flöttl im Vorjahr einen Yachtausflug vor Kroatien unternommen.

Ausschuss-Ladung

Damit hat der Finanzminister, wohl unfreiwillig, für einen ersten Höhepunkt im noch jungen Wahlkampf gesorgt: Denn der Opposition reicht die dürre Bestätigung aus dem Finanzressort keineswegs. Der Grüne Werner Kogler, Vorsitzender des Rechnungshofausschusses, spricht gar vom "Dreieck Grasser-Meinl-Flöttl". Grasser soll, so die Forderung der Grünen, so schnell wie möglich vor den Rechnungshof-Unterausschuss zur Causa Bawag geladen werden. Dort solle er erklären, ob die Schubladisierung des Notenbank-Berichts ein Freundschaftsdienst an Flöttl gewesen sei.

Christoph Matznetter, Budgetsprecher der SPÖ, will erst den Ausschuss abwarten, und dann: "Als stärkstes Mittel behalten wir uns eine Sondersitzung vor." Matznetter rechnet damit, "dass hier noch einiges hochkommen wird". Für ihn stimme "die Bawag-Geschichte noch immer nicht": "Wir wissen nicht, welche Bande die Bank ausgeraubt hat. Dass zudem alle Kontrollinstanzen des Finanzministeriums versagt haben, kann kein Zufall sein."

Keine Auslandsstiftung

Dass "noch etwas hochkommt", glaubt auch ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka - freilich anders. Er glaubt, dass es "Finanzströme zwischen der FSG und der SPÖ" gegeben habe. In den OÖN war das am Wochenende auch zu lesen: Die Privatstiftung der FSG "zur Unterstützung der Bildung von Arbeitnehmern" (Puba-Stiftung) sei in Wahrheit eine ausländische Stiftung, die regelmäßig "Zuwendungen" aus dem ÖGB erhalten habe. Ein Blick ins Firmenbuch beweist freilich: Unter "FN 228645 v" ist die Puba beim Handelsgericht Wien als Privatstiftung registriert. Und die "Zuwendungen" waren Mieterlöse aus insgesamt 15 Häusern, die zum Teil an den ÖGB vermietet worden waren. (Petra Stuiber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.7.2006)

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    Wolfgang Flöttl und Karl-Heinz Grasser, nur zufällig gemeinsam in einem Boot (Fotomontage).

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