Kein Showgirl

17. Juli 2006, 12:49
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Madeleine Peyroux zelebrierte auf der Bühne des Jazzfests Wien ihren Melange aus Jazz, Chanson und Country

Wien - Madeleine Peyroux, die französischstämmige Amerikanerin, ist die geglückte musikalische Melange unterschiedlicher Stile und Traditionen. Dass die junge Sängerin, die erst zwei CDs veröffentlicht hat, auch in Österreich längst mehr als ein Geheimtipp ist, stellte sie am Freitagabend beim Jazzfest Wien unter Beweis.

Mit ihrer rauchigen Stimme, deren Timbre an Billie Holiday erinnert, spannte sie bei ihrem Wien-Auftritt einen Bogen von langsamen Balladen über französische Chansons und Jazzigem bis zu obskuren Lagerfeuersongs aus dem Wilden Westen.

Wieder auf der Straße

Das gut zweistündige Programm legt beredt Zeugnis für Peyroux' Wurzeln in der Straßenmusik ab. Die Arrangements sind einfach, aber ausgeklügelt: Peyroux selbst an der Gitarre, dazu ein Bass, Schlagwerk, Geige und Keyboard - Musik ohne technischen Firlefanz. Nach dem großen Erfolg ihrer Debüt-CD "Dreamland" 1996 zog sie sich zeitweise aus dem Konzertbetrieb zurück, um mit der Gitarre wieder in den Straßen von Paris aufzutreten.

Mit ausdrucksstarker Stimme, einfühlsam, doch ohne Pathos drückt Peyroux Hank Williams- oder Bessie Smith-Standards ihren Stempel auf, zugleich präsentiert sie weniger Bekanntes, zwischendurch garniert mit interessanten Eigenkompositionen. Viele ihrer Songs kommen einem schon nach wenigen Takten vertraut vor, auch wenn man sie noch nie gehört hat.

Über die Welt da draussen

Peyroux ist kein Showgirl, sie stellt ihre Musik und nicht sich selbst in den Mittelpunkt des Abends. Sie ist nicht die Rockröhre, die ganze Fußballstadien mitreißt, sondern sie schart die ZuhörerInnen am Lagerfeuer um sich, um ihnen über die Welt draußen, von Träumen, von der Liebe und der Enttäuschung zu erzählen. Das Lagerfeuer loderte im Arkadenhof des Wiener Rathauses - und steigerte die Vorfreude ihre dritte CD, die im Herbst erscheinen soll. (APA)

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    Madeleine Peyroux machte beim Jazzfest Wien Lust auf ihre neue CD.
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