Noch keine Spur von verschwundenem italienischen Finanzier

18. Juli 2006, 09:10
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Entführung oder Flucht vermutet

Rom - Die italienischen Fahnder tappen bei den Ermittlungen um das rätselhafte Verschwinden eines der bekanntesten Finanziers des Landes, Gianmario Roveraro, Gründer der Finanzgruppe Akros, im Dunkeln. Auch am Wochenende gab es keine Spuren des 70-Jährigen mit engen Verbindungen zu katholischen Wirtschaftskreisen und dem Opus Die, der seit zehn Tagen spurlos verschwunden ist.

Die Ermittler vermuten eine Entführung und haben die Bankkonten der Familie eingefroren. Der Mailänder hatte seine Frau am 5. Juli angerufen und behauptet, er befinde sich in Österreich, ohne jedoch genauere Angaben zu machen. Er wollte noch am selben Tag zurückkehren, ist jedoch nicht mehr erschienen. Rätselhaft ist jedoch, dass keine Forderung nach Lösegeld gestellt wurde.

Verdacht

Am Tag nach seinem Verschwinden hatte Roveraro einige Mitarbeiter angerufen und sie aufgefordert, ihm eine Million Euro zur Verfügung zu stellen, da er sie für ein Geschäft in Österreich brauchte. Die Mitarbeiter schöpften Verdacht und alarmierten die Polizei. Die Ermittler überprüfen einige Immobiliengeschäfte, die der Finanzier in den letzten Zeiten für Bekannte verwickelt hatte. Die Polizei überprüft auch die Beziehungen Roveratos zum Opus Dei, dem er in den sechziger Jahren beigetreten war.

Roveraro, der zu den brillantesten Finanziers in Italien zählt, hatte enge Verbindungen zum Ex-Präsidenten des Lebensmittelkonzerns Parmala, Calisto Tanzi. Roveraros Finanzgesellschaft Akros hatte Parmalats Börsengang im Jahr 1990 begleitet. Wegen seiner Beziehungen zu der 2003 Pleite gegangenen Parmalat droht dem Finanzier ein Prozess wegen betrügerischen Bankrotts. Daher schließen die Ermittler nicht aus, dass Roveraro freiwillig die Flucht ergriffen haben könnte. Die Familie bestreitet diese Möglichkeit jedoch vehement.(APA)

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