SPÖ und Grüne verschärfen Kritik

17. Juli 2006, 11:11
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Grasser müsse beweisen, dass "Schubladisieren" des Bawag-Berichts kein "Freundschaftsdienst" war

Wien - SPÖ und Grüne verschärfen ihre Kritik an Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Konkret geht es um Berichte über einen Yacht-Ausflug des Finanzministers mit dem in die BAWAG-Affäre verstrickten Investmentbanker Wolfgang Flöttl. Zunächst hatte Grasser dementiert und von "Schwachsinn" gesprochen. In der "Kronen Zeitung" erläutert der Finanzminister nun: "Mein Mitarbeiter hat mich im Parlamentstrubel letzte Woche gefragt, ob an der Yacht-Geschichte etwas dran sei, und ich habe gesagt, Schwachasinn. Das wurde als Dementi, dass es das Treffen überhaupt gegeben hat, missinterpretiert".

Allerdings habe er mit Flöttl damals nicht über die BAWAG gesprochen. Vorwürfe, man habe eine BAWAG-Vertuschungsaktion erörtert, wies Grasser mit den Worten "absoluter Blödsinn" zurück. SPÖ und Grüne geben heute, Montag, vormittag getrennte Pressekonferenzen zu der Grasser-Yacht-Causa.

Beziehungsgeflecht aufklären

Die FPÖ hatte Grasser bereits als rücktrittsreif bezeichnet. Offenbar gebe es zwischen Grasser und Flöttl schon eine länger andauernde Bekanntschaft. Für die Grünen muss Grasser nun beweisen, dass das "Schubladisieren" des BAWAG-Berichts der Bankenaufsicht im Jahr 2001 kein "Freundschaftsdienst" an Flöttl war. Außerdem müsse Grasser das Beziehungsgeflecht zwischen ihm, Flöttl und dem Bankier Julius Meinl aufklären. Auf der Yacht Meinls hatte das Treffen im August 2005 stattgefunden. Wissen wollen die Grünen auch, warum Grasser seinen Pressesprecher Manfred Lepuschitz nach nur einem Monat im Kabinett als Staatskommissär des Finanzministeriums in die Meinl-Bank geschickt hat.

In der "Kleinen Zeitung" sagte Grasser, er habe Flöttl im Dezember 2000 bei einem Essen mit Investmentbankern in New York getroffen. "Nach dem Essen ist mir Flöttl, der an einem anderen Tisch gesessen war, als Österreicher vorgestellt worden".

ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka wies die Angriffe gegen Grasser zurück. Die Vorwürfe seien "lächerlich", so Lopatka. (APA)

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