Äußerte sich Mozart je zu Schwanenstadt?

21. Juli 2006, 17:34
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Ihre Fragen zu W.A.M. - Kurt Palm antwortet

Markus Himmelbauer möchte wissen, ob sich Mozart je über Schwanenstadt geäußert hat.

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Auch wenn Mozart auf seinen Reisen von Salzburg nach Wien (und retour) nachweislich siebenmal durch Schwanenstadt gefahren ist, hat er sich hier wahrscheinlich nie eine Pferdeleberkäsesemmel gekauft. Aber nicht, weil es diese Spezialität hier nicht gegeben hätte - dem Gasthof "Zur Goldenen Krone" am Stadtplatz ist nach wie vor ein Pferdehandel angeschlossen -, sondern weil Schwanenstadt reisestrategisch ungünstig lag. Denn entweder hatte Mozart, von Salzburg kommend, bereits in Vöcklabruck Station gemacht oder er fuhr direkt in das von Schwanenstadt nur acht km entfernte Lambach weiter.

Anzunehmen ist also, dass Mozart das Städtchen an der Traun schlicht und einfach verschlafen hat. Möglicherweise ist das auch der Grund, weshalb man dem heiligen Wolfgang in "Schwauna", wie die Einheimischen sagen, noch kein Denkmal errichtet hat. Sehr wohl gedenkt man in Schwanenstadt aber zweier Persönlichkeiten, die hier geboren wurden und die in Mozarts Leben eine nicht unbedeutende Rolle spielten: Franz Xaver Süßmayr und Ignaz Parhamer. An den 1766 geborenen Süßmayr erinnert eine Gedenktafel an der Marienkapelle, wo natürlich auch erwähnt wird, dass Süßmayr an der Vollendung von Mozarts Requiem beteiligt war. Leider nicht hingewiesen wird auf Süßmayrs Lied "Lob des Ofnerweins" mit dem schönen Reim: "Pastoren, Popen und Rabbiner/ sind alle deine Götzendiener."

Unerwähnt bleibt auch, dass Süßmayr und Constanze Mozart möglicherweise sexuell miteinander verkehrten. Eine am hässlichen Bankgebäude am Stadtplatz 41-42 angebrachte Gedenktafel erinnert an den 1715 in Schwanenstadt geborenen Jesuitenpater Dr. Ignaz Parhamer, der nicht nur Rektor der Wiener Universität und Beichtvater von Kaiser Franz I. war, sondern auch jene "Waisenhausmesse" in Auftrag gab, die der knapp 13-jährige Mozart am 7. Dezember 1768 in der Kirche "Mariae Geburt" am Rennweg in Wien zur Uraufführung brachte. Genug gute Gründe also, sich schnurstracks nach Schwanenstadt zu begeben und dort im Gedenken an Mozart, Süßmayr und Parhamer eine Pferdeleberkäsesemmel zu verspeisen. (ALBUM/DER STANDARD, Printausgabe, 15./9.16.2006)

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