Wie rein ist klares Wasser?

26. Juli 2007, 12:27
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Österreichs Trinkwasser ist zwar sehr sauber, doch Schwermetalle, Pestizide und Bakterien können die Qualität mindern - ein Wassertest bringt Klarheit

"Blut ist dicker als Wasser", sagt der Volksmund. Doch ohne Wasser würde Blut gar nicht fließen. Der Mensch besteht zu 70 Prozent aus Wasser, und es spielt die Hauptrolle bei vielen Stoffwechselvorgängen im Organismus.

Innere Medizin

"Damit sich Moleküle und Stoffe bewegen können, muss alles schön flüssig sein", erklärt Internist Christoph Pechlaner von der Universitätsklinik für Innere Medizin in Innsbruck. Täglich durchfließen rund 1400 Liter Wasser das menschliche Gehirn, eineinhalb Liter Speichel werden produziert. "Wie viel man trinken sollte, sagt den Menschen sehr verlässlich das Durstgefühl.

Über den Durst trinken

Es ist nicht angenehm, über den Durst zu trinken und das hat auch einen Sinn. Wasser ist elektrolytfrei - trinkt man zu viel, kann eine Wasservergiftung und eine gefährliche Kochsalzverdünnung die Folge sein", warnt der Internist. Die einfache Gleichung, dass man nie genug Wasser trinken kann, würde er nicht unterschreiben.

Trinkwasserqualität

Das Element ist lebenswichtig, doch Wasser ist nicht gleich Wasser - mit Schwermetallen, Düngemitteln, Pestiziden oder Bakterien belastetes Trinkwasser kann gesundheitliche Folgen haben. "Da die Österreicher fast ausschließlich mit Grundwasser versorgt werden, ist die Trinkwasserqualität in Österreich, verglichen mit anderen europäischen Staaten, sehr gut", versichert Franz Mascher vom Institut für Hygiene an der Universität Graz.

Größte Belastung durch Nitrate und Pestizide

Problematisch seien aber Nitrate und Pestizide, die flächenmäßig die größten Belastungen ausmachen. Daneben bereiten auch veraltete Bleileitungen in Städten und die so genannten Hausbrunnen oft Probleme. Blei ist ein giftiges Schwermetall, das Organsysteme im Körper schädigen kann. "Bei Verdacht auf alte Bleileitungen im Haus oder bei einem eigenen Hausbrunnen ist ein Wassertest ratsam", so Mascher.

Bakteriell belastet

Über eine Million Einwohner erhalten ihr Trinkwasser aus Einzelwasserversorgungsanlagen. Dabei treten häufig bakterielle Belastungen auf. "Zum Beispiel durch Escherichia Coli, die andere Infektionserreger anzeigen."Besonders riskant ist die Situation nach einem Hochwasser, da dann Oberflächenwasser in den Brunnen eindringen kann. Auch verschmutzte Wasserhähne sind potenzielle Bakterienproduzenten.

Wassertests

Wassertests werden von autorisierten staatlichen oder privaten Institutionen durchgeführt, entweder durch einen Gutachter oder per Selbsttest. Der Vorteil bei Ersterem ist, dass sich der Gutachter ein Bild von den hygienischen und technischen Gegebenheiten machen kann. "Der Selbsttest hat den Kostenvorteil und kann einfach und anonym durchgeführt werden", erklärt Thomas Schlatte, Geschäftsführer der Firma Aqua Quality Austria (AQA), der gemeinsam mit derStandard.at/Gesundheit die Selbsttests anbietet.

Lebensmittel mit Grenzwerten

Als Lebensmittel Nummer eins ist das Wasser im österreichischen Lebensmittelgesetz und in der Trinkwasserverordnung verankert. Seit 1991 wird im Auftrag des Lebensministeriums die Wassergüte in Österreich erhoben. Der Grenzwert für Blei liegt in Österreich bei 25 Mikrogramm pro Liter, laut WHO-Vorgabe muss dieser bis spätestens 2013 auf zehn Mikrogramm gesenkt werden.

Alte Bleileitungen

"Eine Bleivergiftung durch Trinkwasser ist nur bei ausschließlich flaschenernährten Säuglingen möglich", so Medizinerin Dagmar Seidl vom Institut für Umweltmedizin der Gemeinde Wien. Bei Erwachsenen und Kleinkindern in Wien sei aber kein Fall einer Bleivergiftung durch Trinkwasser bekannt. Die Symptome einer Bleivergiftung wären: ein blaugrauer Saum um das Zahnfleisch und Merkfähigkeitsstörungen. Bei einer chronischen Bleivergiftung würde man an Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Appetitmangel leiden.

Global 2000

Laut einer von Global 2000 österreichweit durchgeführten Bleitest-Aktion überschritt ein Fünftel aller Proben die Grenze von 25 Mikrogramm. "Der Tipp, das Wasser auslaufen zu lassen, um den ersten Schwall zu vermeiden, kann zwar helfen, aber wenn Bleileitungen tiefer im Leitungssystem vorhanden sind, ist diese Wirkung eingeschränkt", sagt Andreas Baur von Global 2000.

Nitrate in Ostösterreich

Nitrate dürfen bis zu einer Menge von 50 Milligramm pro Liter vorkommen, bei Pestiziden ist der Summen-Grenzwert von 0,5 Mikrogramm einzuhalten. Bei Nitraten und Pestiziden ortet der Innsbrucker Umweltmediziner Klaus Rhomberg vor allem Probleme in Ostösterreich: "Unzählige Brunnen sind dort durch die Landwirtschaft verschmutzt, einzelne müssen immer wieder geschlossen werden.

Wirkung im Körper

Warum das notwendig ist? "Nitrate werden im Körper zu Nitrit umgewandelt und können so genannten Nitrosamine bilden, von denen diskutiert wird, dass sie Krebs auslösen können", erklärt Seidl. "Generell sind die Grenzwerte in Österreich als Vorsorgewerte zu verstehen. "Bei der Grenzwertfestlegung wird von einem ausschließlichen und lebenslangen Genuss des Wassers ausgegangen", erklärt Mascher.
(Marietta Türk/MEDSTANDARD/17.07.2006)

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  • Wasserreservoir am Rosenhügel: Die Wasserqualität des Wiener Hochquellwassers ist einwandfrei, nur die alten Bleileitungen können den Genuss etwas trüben.
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