Kein Geld für Patenschaften

19. Juli 2006, 10:58
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Seit fünf Jahren bekommen junge Flüchtlinge die Chance, durch Paten Anschluss zu finden - In Österreich fehlt das Geld dafür

Wien - Am weitesten von allen Patenkindern habe es bisher Asa gebracht, sagt Veronika Krainz. Asa Artuch aus Tschetschenien, die vor einem Jahr mit 17 Jahren allein aus dem Krieg nach Österreich flüchtete und die ab kommendem Herbst die Modeschule Michelbeuern in Wien besuchen wird.

Für eine junge Frau in Asas Lage sei das "eine ganz tolle Chance", betont die Koordinatorin von "Connecting People", der Patenschaftsaktion für unbegleitete minderjährige und jugendliche Flüchtlinge. In einem neuen Land mit einer neuen Sprache und angesichts eines Asylantrags mit unsicherem Ausgang hätte das Mädchen "ohne die Unterstützung ihre Patin Barbara Kohlbauer all das niemals geschafft".

Jahrelanges Warten

Am Engagement der Sozialpädagogin und Malerin Kohlbauer werde es nunmehr liegen, die junge Tschetschenin zum Durchhalten anzuspornen: "Besonders schwer fällt den Jugendlichen das oft jahrelange Warten im Asylverfahren. Sich daneben auch noch auf die Schule zu konzentrieren und auf der Flucht Erlebtes zu verarbeiten, überfordert viele", weiß Krainz.

"Ich habe Menschen von hier kennen gelernt, mit denen ich eine echte Beziehung habe", schreibt Augustine Oparaochaekwes aus Nigeria über die Veränderungen in seinem Leben durch Patin Kathi Holly in dem Buch "Annäherungen", das von der Asylkoordaination herausgegeben wurde. Die Patenschaften seien für die Jugendlichen von großem Wert, erläutert Krainz. Insgesamt wurden seit 2001 bereits 97 Verbindungen zwischen jungen Flüchtlingen und Einheimischen geknüpft. Doch seit dem Auslaufen der Startförderung durch Unicef Österreich ist die Finanzlage des Projekts höchst unsicher.

Abgesehen von einigen wenigen tausend Euro vonseiten der Stadt Wien komme für die humanitäre Arbeit derzeit von keiner öffentlichen Stelle Unterstützung. Das Geld für Patenschaftskurse und Sachunterstützung der Jugendlichen stamme aus Sponsoringaktionen: 2004, als Connecting People zum ersten Mal finanziell vor dem Aus stand, griff Beiratsmitglied Barbara van Melle zum Telefonbuch und rief eine Reihe von "Kontakten in der Wirtschaft"an.

Unter anderem erreichte sie Sylvia Zimmermann, Ehefrau des Vorstandsdirektors der Berndorf AG, Norbert Zimmermann und die Wiener Anwältin Christa Homann, die sich ebenfalls ans Telefon setzten. "Ich fand es empörend, dass ein derart wichtiges Projekt politisch nicht unterstützt wird", sagt Sylvia Zimmermann. "Der Frauenrunde ist es gelungen, insgesamt 160 Sponsoren aufzustellen", schildert Krainz.

Sponsoren gesucht

Die Spender wurden im April und im September 2005 zu "gemütlichen Jazzabenden"geladen. Insgesamt spielten die Benefizaktionen rund 55.000 Euro ein, unter anderen beteiligten sich BA-CA, die Bawag, aber auch der Präsident der Industriellenvereinigung, Veit Sorger, und Andreas Treichl, Generaldirektor der Erste Bank, griffen zur Brieftasche.

Eine Fortsetzung der Sponsorensuche sei "nicht unwahrscheinlich", sagt Homann im Standard-Gespräch. Für Krainz, die die rund 40.000 Euro Jahresfinanzbedarf noch bis Ende 2006 decken kann, eine "sehr gute Nachricht". Trotzdem sucht sie nach Zusatzwegen, um das "Connecting People"-Budget zu stabilisieren. Durch Firmenpatenschaften etwa, die junge Asylwerber - neben finanzieller Unterstützung - auch in mögliche Berufe Einblick nehmen lassen. (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe, 17.07.2006)

Link
Connecting People

Buchtipp:
"Annäherungen - junge Flüchtlinge und ihre PatInnen erzählen", Hrsg. asylkoordination, Mandelbaum-Verlag.
  • "Echte Beziehung": Augustine Oparaochaekwes aus Nigeria mit seiner Patin Kathi Holly. Seit die Starthilfe von Unicef Österreich ausgelaufen ist, wackelt das Projekt
    foto: karl kobierski

    "Echte Beziehung": Augustine Oparaochaekwes aus Nigeria mit seiner Patin Kathi Holly. Seit die Starthilfe von Unicef Österreich ausgelaufen ist, wackelt das Projekt

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