Eine Milliarde Verlust

25. Juli 2006, 21:26
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Zwangsabstieg kommt Juventus, Lazio und Florenz teuer zu stehen - Die drei Spitzenklubs verlieren Sponsoren und TV-Einnahmen

Das Urteil in Italiens Manipulations-Fußballskandal ist für die betroffenen Vereine ein schwerer wirtschaftlicher Schlag: Der Zwangsabstieg in die zweite Liga kostet die Starvereine Juventus Turin, AC Florenz und Lazio Rom laut den ersten Hochrechnungen mittelfristig bis zu einer Mrd. Euro. Allein 150 Millionen Euro werden den drei Vereinen in der kommenden Spielsaison durch verringerte Einnahmen aus den TV-Übertragungsrechten verloren gehen. Weg sind auch die Millionen-Einnahmen aus den internationalen Wettbewerben für die bestraften Starvereine. Einige der Sponsoren, etwa der Sportschuhgigant Nike, haben bereits wissen lassen, die Beiträge an die "Absteiger" zu kürzen.

Vor allem für den hoch verschuldeten Fußballverein Lazio und den erst seit einer Saison wieder in der ersten Liga spielenden AC Florenz könnte das Urteil fatal werden, sollte es in der zweiten Instanz bestätigt werden. Lazio steht am Rande des finanziellen Zusammenbruchs. Der römische Starverein hat Schulden von 222 Mio. Euro. Eine Kapitalaufstockung des börsennotierten Unternehmens ist unter den gegenwärtigen Umständen auszuschließen.

Bei Fiorentina ist es nicht sicher, ob deren Präsident und Großaktionär Diego della Valle gewillt ist, weitere finanzielle Mittel zuzuschießen. Della Valle, der Erzeuger der Tod's Schuhe, hat in den letzten drei Jahren bereits 80 Millionen für das Revival von AC Florenz gezahlt.

Juventus Turin wurde zwar mit dem Zwangsabstieg in die zweite Liga und 30 Minuspunkten bei Spielbeginn am stärksten bestraft. Allerdings ist der mehrheitlich von der Fiat-Unternehmerfamilie Agnelli kontrollierte Fußballverein finanziell solide.

Die libysche Lafico, mit 7,5% Anteilen Juventus-Großaktionär, will verhindern, dass Sponsor Tamoil (libysche Erdölgesellschaft) seine jährlich 24 Millionen Zuschüsse an Juventus kürzt.

Nun versuchen die Vereine, durch den Transfer ihrer Spitzenspieler die geringeren Einnahmen zum Teil wettzumachen. Der neue Juventus-Präsident Giovanni Cobolli Gigli versprach allerdings: "Es kommt zu keinem Schlussverkauf, wir verlangen für unsere Spieler marktgerechte Preise." Dies wird schwierig sein. Der internationale Transfermarkt spielt bereits verrückt. Noch nie kam eine derart hohe Anzahl von Weltklassespielern mit einem Schlag auf den Markt. Bei Juventus, mit acht Weltmeisterschafts-Stars, ist angeblich nur der alternde Stürmer Alessandro Del Piero gewillt, in der zweiten Liga zu spielen.

Zum wirtschaftlichen und sportlichen Nutznießer der Situation werden zweifellos die beiden Großvereine werden, die nicht im Manipulationsskandal verwickelt waren. Inter Mailand und AS Roma. Inter-Großaktionär und Präsident Massimo Moratti, hat genügend liquide Mittel, um sich auch sehr teure Spieler problemlos leisten zu können. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 17. Juli 2006, Thesy Knes-Bastaroli aus Mailand)

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