Chance auf "doppelte Dividende"

7. August 2006, 13:43
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Nachhaltige Geldanlage kämpft noch immer mit dem Vorurteil, wenig profitabel zu seien. Wolfgang Pinner erklärt im STANDARD- Gespräch, wie er diese Lanze brechen will

STANDARD: Sie sind mit Vinis, einer Gesellschaft für nachhaltigen Vermögensaufbau, vor einem halben Jahr gestartet, um die nachhaltigen EspaFonds, die bisher institutionellen Anlegern angeboten wurden, auch dem Privatanlieger anzubieten. Wie sieht ihr Resümee nach dieser Zeit aus?

Pinner: Wir sind nach wie vor in einer Aufbauphase und müssen noch viel Aufklärungsarbeit leisten. Bisher haben wir rund fünf Millionen Euro von Privatanlegern eingesammelt, wir liegen damit absolut in line mit unseren Erwartungen.

STANDARD: Bis zum Ende des laufenden Jahres...

Pinner: ... wollen wir das verwaltete Volumen auf mehr als das Doppelte erhöhen.

STANDARD: Kämpft nachhaltige Geldanlage immer noch mit dem Vorurteil, man könne damit kaum Geld verdienen?

Pinner: Ja. Es gibt nach wie vor Zweifel, dass man mit einem Investmentansatz, der vielen Ausschlusskriterien - wie etwa Kinderarbeit - unterworfen ist, ordentliche Renditen erwirtschaften kann. Man braucht aber keine Rüstungsunternehmen im Depot, um eine Benchmark zu schlagen. Berücksichtigt man jedoch Umweltkriterien oder Ethik bei seiner Geldanlage, profitiert man von einer "doppelten Dividende": von der erwirtschafteten Rendite und vom Gefühl, "etwas Gutes getan zu haben". Diese Korrelation muss erst kultiviert werden.

STANDARD: Wie wollen Sie diese Lanze brechen?

Pinner: Nachhaltige Produkte brauchen einfach noch etwas Zeit, um in die Köpfe der Menschen zu kommen. Es gibt Zeiten, in denen hauptsächlich in Themen wie Immobilien oder Technologie investiert wird. Nachhaltige Investments sind jedoch keinen kurzfristigen Trends unterworfen sondern langfristig ausgerichtet. Das Potenzial für diese Produkte ist jedoch enorm. Wir kaufen heute bereits häufiger biologische Lebensmittel, achten auf Inhaltsstoffe. Auch das Thema Wellness wird für uns Menschen immer wichtiger. Dieses Umdenken und die ökologische Aufklärung schaffen eine Basis für ein gutes "Mind-setting"für nachhaltige Investments.

STANDARD: Der von Ihnen initiierte Vönix-Index feierte vor Kurzem seinen ersten Geburtstag. Wie steht es um die Jahresperformance?

Pinner: Im Aktien-Index Vönix sind 27 österreichische nachhaltige Titel zusammengefasst. Unter anderem Werte wie BWT, Palfinger oder Banken-Titel. Im Jahr eins seines Bestehens hat der Vönix den ATX outperformt. Das zeigt, welche Performance in diesem Bereich möglich ist.

STANDARD: Wie überprüfen Sie, ob jene Unternehmen, die Sie im Portfolio haben, ihre Ausschlusskriterien einhalten?

Pinner: Wir arbeiten in diesem Bereich mit der Münchener Ratingagentur "oekom"zusammen. Diese Agentur überprüft laufend Unternehmen auf Kriterien wie Atomenergie, Kinderarbeit, Pornografie, Rüstung, Tabak etc. Oekom erstellt für uns eine Liste zur Vorselektion. Gemeinsam mit dem Vinis-Ethik-Beirat wird entschieden, welche Aktien wir kaufen. Diese Ratings werden vierteljährlich erstellt. Zusätzlich besuchen wir laufend Unternehmen und stehen in einem offenen Dialog.

STANDARD: Was halten Sie von der Initiative der UNO, die "Grundsätze für verantwortungsvolles Investieren", erstellt hat?

Pinner: Grundsätzlich ist das ein guter Ansatz. Die Kriterien sind jedoch sehr weich formuliert. Hier stellt sich die Frage was besser ist: klein anzufangen oder gleich ordentlich?

STANDARD: Es gibt die Idee, dass die angeschlagene Bawag P.S.K. eine Ethik-Bank werden soll...

Pinner: Von dieser Idee halte ich nicht viel. Denn Ethik-Banken müssen aus der Idee heraus wachsen. "Ethik"ist kein Konzept, das man sich einfach überstülpen kann. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.7.2006)

  • Zur Person
Wolfgang Pinner (41) ist seit Beginn 2006 Geschäftsführer der Vinis Gesellschaft für nachhaltigen Vermögensaufbau. Zuvor war Pinner Chief Investment Officer der VBV-Pensionskasse, Chefanalyst bei der Ersten Österreichischen Sparkasse und hat die Abteilung Investor Relation der Bank Austria geleitet. Pinner ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern.
Das Gespräch führte Bettina Pfluger.
    foto: standard/andy urban

    Zur Person

    Wolfgang Pinner (41) ist seit Beginn 2006 Geschäftsführer der Vinis Gesellschaft für nachhaltigen Vermögensaufbau. Zuvor war Pinner Chief Investment Officer der VBV-Pensionskasse, Chefanalyst bei der Ersten Österreichischen Sparkasse und hat die Abteilung Investor Relation der Bank Austria geleitet. Pinner ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern.

    Das Gespräch führte Bettina Pfluger.

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