Das rechte Licht des Balles

16. Juli 2006, 18:45
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Der Fußball braucht die Kultur, zumindest bei Großereignissen - Auf die Heim-EM 2008 bereitet sich also nicht nur das Team penibel vor, sondern auch der Verein "Österreich am Ball"

Wien - Die Weltmeisterschaft in Deutschland ist eine ziemliche Vorgabe. An ihr wird wohl auch die von Österreich und der Schweiz veranstaltete EURO 2008 gemessen werden, auch und vor allem das kulturelle Rahmenprogramm, das sportliche Großereignisse zu begleiten pflegt und welches die Veranstalter dazu nützen, sich umfassend zu präsentieren - wenn man so will: sich selbst im Licht der Öffentlichkeit ins rechte Licht zu rücken.

Zu genau diesem Zweck ist der Verein "Österreich am Ball" gegründet worden. Die Präsidentin ist Susanne Riess-Passer, Exvizekanzlerin und nunmehrige Generaldirektorin von Wüstenrot. Ihre Stellvertreter sind Karl Stoß, Vorstandsvorsitzender der Generali-Gruppe, und Beppo Mauhart, der frühere ÖFB-Chef mit einem nie verborgenen Hang zur kulturellen Ergänzung des Fußballs.

Der einschlägigen Ideen sind schon viele. Beppo Mauhart (siehe nebenstehendes Interview)möchte aber noch das Abflachen der WM-Euphorie abwarten, bevor er Nähe- res bekannt gibt. Wie Der Standard aber erfuhr, soll ein Schwerpunkt der kulturellen EM-Aktivitäten nicht nur die Veranstaltung selbst ummanteln, sondern seinerseits zur Initialzündung langfristiger Projekte werden. Gedacht sei, sagt einer der Initiatoren, zum Beispiel an eine Großausstelung, die sich mit dem Phänomen Fußball auseinandersetzt, und zwar "umfassend", nicht fokussiert auf Österreich.

Junge Kicker

Schon am Laufen ist ein filmisches Projket. Neun junge, für die Heim-EM vielversprechende Kicker werden bis 2008 mit der Kamera begleitet werden: beim Training, beim Spiel, aber auch privat. Einzelne Beobachtungssequenzen sollten dabei in Form aktueller Spielerporträts als Fernsehbeiträge ausgestrahlt werden, am Ende aber stünde ein großer Film, der das Gelingen oder das Scheitern der hohen Spielerambitionen dokumentiert, was umgekehrt auch dem österreichischen Film zugute kommen soll. Immerhin würden damit heimische Filmemacher und ihre Produzenten die kontinentweite Aufmerksamkeit nützen können.

Momentan freilich gilt es noch, die Österreichs zu erregen. Denn Mauharts Schweigsamkeit, was die Programm- details betrifft, hat wahrscheinlich auch andere Gründe als die, die posteuphorische Nüchternheit abzuwarten. Dummerweise war nämlich im vergangenen halben Jahr das politische Österreich damit beschäftigt, der europäische Präsident zu sein, und jetzt hat der Wahlkampf begonnen.

Teil dieses Wahlkampfes ist - ebenfalls dummerweise - der ORF, der in jedem Fall ein wesentlicher Partner des Projektes sein müsste. Der ORF aber ist durch die bekannten Mückiaden und Lindnerismen noch eine Zeit lang blockiert, sodass diesbezügliche Planungen wohl noch eine Weile dauern werden.

Und so hat man auch noch ein bisserl Zeit, jene Person zu finden, die das Ganze handfest schaukelt. Die diesbezüglichen Gerüchte treiben sich bereits geschäftig herum. Als seriöser Kandidat darf gelten, wer über entsprechend internationale Erfahrung verfügt. Eine deutsche würde wohl auch nicht schaden. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 17. Juli 2006, Wolfgang Weisgram)

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