Skoceks Zeitlupe: Ballschmeißen

16. Juli 2006, 18:42
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Bei der symbolischen Stabübergabe von der WM zur EM 2008 in Österreich und der Schweiz fehlte ein Mann...

Manchmal ist Abwesenheit vielleicht ein Signal. Als im Wiener Rathaus die WM-Finalparty sauste, um die symbolische Stabübergabe von der WM in Deutschland zur EM 2008 in Österreich und der Schweiz zu begehen, fehlte ein Mann, der dort hingehört: Der Hausherr und Fußballnarr Michael Häupl. Das kann mancherlei Grund gehabt haben. Vielleicht war die Fete bei UPC im Millenniumstower etwas kommoder, vielleicht störte den Bürgermeister die - vom EM-Verein ungewollte - BZÖ-Färbung des Rathausevents.

Nun kann man der Präsidentin des Vereins "Österreich am Ball 2008", Susanne Riess-Passer, nicht nachsagen, eine eingefleischte BZÖ-Proponentin zu sein, und der Obmann der orangenen Partie ist frei, Partys zu besuchen. Vielleicht war Peter Westenthalers Anwesenheit beim Finalabend auch darauf zurückzuführen, dass er noch meint, als Vorstand der Bundesliga dem heimischen Fußball Gutes getan zu haben, und deshalb in diesem Umfeld potentielle Wähler zu finden glaubt.

Jedenfalls werden Fußballer von Politikern gern zur Hebung ihrer Popularität eingespannt, Jacques Chirac hat Zinédine Zidane dazu vergattert, für das BZÖ wirbt ein Fanschalschwenker. Die Regierungskrücke hofft, dass der emotionale Impetus des Fußballs die fremdenfeindliche BZÖ-Botschaft schmackhaft macht. Das ist eitel, aber vernünftige Argumente für das BZÖ-Programm lassen sich kaum finden, wie die hilflose Replik Westenthalers im Standard auf eine Analyse von Wolfgang Müller-Funk zeigte. Der Fußball lebt nicht in einem weltfernen Reservat. Aber der EM-Kulturverein wäre gut beraten, Äquidistanz zu allen Politikern zu wahren und zu den Ranschmeißern die größte. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 17. Juli 2006, Johann Skocek)

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