Vranitzky: "Was wir jetzt brauchen, ist Härte"

18. Juli 2006, 11:59
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"Sommergespräch" mit Bundesparteichef Gusenbauer vor 300 SPÖ-Funktionären in Leonding

Linz - Zu einem "Sommergespräch" hat die SPÖ Sonntagvormittag nach Leonding bei Linz geladen. "Was wir jetzt brauchen, ist Härte", betonte der frühere Bundesparteichef und Altbundeskanzler Franz Vranitzky nach den innerparteilichen Turbulenzen der vergangenen Wochen. Den rund 300 Funktionären, die nach Parteiangaben zu der Veranstaltung gekommen waren, wurde die von Young & Rubicam gestaltete SPÖ-Kampagne für die kommende Nationalratswahl präsentiert.

"Wir haben einen gemeinsamen politischen Gegner, der schon fast sechs Jahre in diesem Land sein Unwesen treibt", sagte Vranitzky. Dabei werde "ein gutes Stück österreichische Zukunft verspielt". Er prangerte u.a. die ÖBB-Reform sowie die Bildungs- und Gesundheitspolitik der schwarz-orangen Regierung an. Es werde viel länger als sechs Jahre dauern, "diese Schäden auszubessern", so der Altbundeskanzler.

"Haltegriffe"

"Ein Politiker, der in der Öffentlichkeit lügt, gehört als solcher an den Pranger gestellt", betonte er im Zusammenhang mit dem Yacht-Ausflug von Finanzminister Karl-Heinz Grasser (V) und dem in die BAWAG-Affäre verstrickten Investmentbanker Wolfgang Flöttl. Bei der Nationalratswahl gehe es um mehr als eine Bank und das Verhältnis von Parteifunktionären untereinander, erklärte Vranitzky. Man werde der Republik wieder "Haltegriffe" liefern.

Die Menschen würden "eigentlich bescheidende Ansprüche" an die Politik stellen, sagte SPÖ-Bundesparteichef Gusenbauer. Er nannte Arbeitsplätze, Pensionen, von denen man leben könne, und eine möglichst gute Ausbildung für die Kinder. Das alles gebe es unter einem Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) nicht, so Gusenbauer: "Wir brauchen wieder mehr Fairness in Österreich."

Der Wahltag 1. Oktober sei eine Richtungsentscheidung zwischen einem Österreich, das "immer unfairer, unsozialer und kälter" werde, und einem "gemeinsamen Österreich", für das die SPÖ stehe, betonte der Parteichef. Er pochte auf ein Land, "das vor allem an seine Zukunft glaubt".

In 77 Tagen sei Ultimo, sagte Landesparteivorsitzender Erich Haider: "Dann wird abgerechnet." Gusenbauer werde der jüngste Bundeskanzler der Zweiten Republik. "Ab 1. Oktober wird Österreich wieder einen guten Weg gehen", betonte Haider, der Gusenbauer als symbolische Stärkung einen Korb voll Energy Drinks überreichte. (APA)

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