T-Mobile erhöht Druck auf Ullrich

21. Juli 2006, 17:02
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Ultimatum abgelaufen - Sprecher Frommert: "Stellen alles auf den Prüfstand" - Bei weiterem Schweigen droht Kündigung

Montelimar - Der Sponsor T-Mobile hat den Druck auf seinen wegen Dopingverdachts suspendierten Ex-Superstars Jan Ullrich erhöht. Die Frist für eine Erklärung Ullrichs zu den Vorwürfen sei bereits am vergangenen Donnerstag abgelaufen, sagte T-Mobile-Sprecher Christian Frommert am Samstag am Rande der Tour de France in Montelimar. Falls sich Ullrich weiter in Schweigen hülle, sollen in der kommenden Woche weitere Schritte gegen den Fahrer beschlossen werden. Eine Kündigung wie im Falle seines Betreuers Rudi Pevenage sei dann nicht mehr ausgeschlossen.

T-Mobile will bereits eine Woche nach Ende der Frankreich-Rundfahrt erste Gespräche mit dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) über gemeinsame Schritte im Kampf gegen Doping führen. "Wir stellen alles auf den Prüfstand", meinte Frommert. Die Suspendierung von insgesamt neun Profis, darunter der Tour-Favoriten Jan Ullrich und Ivan Basso (ITA), sei ein Alarmzeichen, erklärte der T-Mobile-Sprecher. Die Sponsoren müssten sich dringend für eine Erneuerung des Radsports einsetzen. "Alles darf gedacht werden", sagte Frommert.

Auch Profi-Fahrer und Trainer müssten sich an einem grundlegenden Neuanfang beteiligen. Nur ein "sauberer Radsport" könne für die Sponsoren attraktiv bleiben. Allerdings gebe es auch nach den jüngsten Veröffentlichungen über einen angeblich umfassenden Drogenkonsum Ullrichs seit mindestens zwei Jahren keine Zweifel an der Integrität der T-Mobile-Teamärzte von der Uniklinik Freiburg.

Ob das Unternehmen nach Ablauf des Vertrages Hauptsponsor bleibt, hänge von den Erfolgen im Kampf gegen Doping ab. "Wir bleiben auf jeden Fall bis 2008 dabei, das heißt aber nicht, dass danach Schluss ist", betonte Frommert. Die Enthüllungen über das Doping-Netzwerk der spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes und Jose Merino Bartres hätten gezeigt, dass die zurzeit praktizierten Dopingkontrollen des Weltverbandes UCI und der Veranstalter "die größte Schwachstelle" sind. Weder der geständige Schotte David Millar noch der Franzose Richard Virenque oder Ullrich waren in der Vergangenheit je in einer Wettkampfkontrolle aufgefallen.

T-Mobile strebt deshalb im Rahmen des ProTour-Rennens HEW-Cyclassics in Hamburg (30. Juli) einen "Runden Tisch" zum Thema Doping-Bekämpfung an. An diesem sollen neben BDR-Präsident Rudolf Scharping und Mitglieder des deutschen Konkurrenz-Teams Gerolsteiner auch bekannte Kritiker im Radsport gängiger Praktiken teilnehmen. Darunter befindet sich laut Frommert auch der Tiroler Sport- und Ernährungswissenschafter Kurt Moosburger. (APA/dpa)

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