Mehlis: Syrien wusste vermutlich von Soldaten-Entführung

17. Juli 2006, 13:46
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Ehemaliger UN-Sonderermittler: Rückhalt der Hisbollah-Miliz in der Bevölkerung geringer als angenommen

Berlin - Der ehemalige UNO-Sonderermittler Detlev Mehlis geht von einer Mitwisserschaft der syrischen Regierung an der Entführung der beiden israelischen Soldaten durch die extremistische Hisbollah-Miliz aus. "Aus meiner Kenntnis der Situation bezweifle ich, dass die Hisbollah die Entführung ohne zumindest Kenntnis syrischer Regierungskreise durchgeführt hat", sagte der Berliner Oberstaatsanwalt dem "Tagesspiegel am Sonntag".

Wie Mehlis der Zeitung weiter sagte, erkenne Syrien den Libanon bis heute nicht als selbstständigen Staat an. Die seit einem Jahr amtierende libanesische Regierung sei "noch längst nicht gefestigt". Ein Scheitern der Regierung in Beirut würde "Syrien sicher recht kommen", sagte Mehlis.

Rückhalt der Hisbollah-Miliz in der Bevölkerung geringer als angenommen

Nach der Einschätzung des Oberstaatsanwaltes ist der Rückhalt der Hisbollah-Miliz in der libanesischen Bevölkerung geringer als angenommen. "Es gibt im Libanon nicht einmal eine annähernde Mehrheit für die Hisbollah", sagte er. Mehlis warnte, dass eine massive Protestbewegung gegen die Hisbollah im Libanon oder Entwaffnungsversuche "vermutlich zum Bürgerkrieg führen" würden. (APA/dpa)

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    Mehlis hatte im Auftrag der Vereinten Nationen bis zum vergangenen Jänner das Attentat auf den früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri im Februar 2005 untersucht. Nach seinen Ermittlungen deuteten Indizien auf eine Verwicklung syrischer Geheimdienstkreise und des ehemaligen Sicherheitschefs im Libanon in den Fall hin.

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