Sakajew: Tschetschenen zu Verzicht auf Unabhängigkeit bereit

31. Juli 2006, 12:17
15 Postings

Russischer Geheimdienstchef ruft Rebellen zur Kapitulation auf - Rebellen-Chef Umarow will bewaffneten Kampf fortsetzen

Moskau - Die tschetschenischen Rebellen sind möglicherweise zu einem Verzicht auf die Unabhängigkeit bereit. "Wenn es in Übereinstimmung mit internationalem Recht eine andere Möglichkeit gibt, das Friedensproblem mit den Russen zu lösen, dann sind wir bereit zu den notwendigen Verhandlungen", erklärte der "Außenminister" der von Moskau nicht anerkannten Rebellenregierung, Achmed Sakajew, am Samstag auf einer Internetseite der Rebellen. Dagegen betonte "Präsident" Doku Umarow, auch nach dem Tod von Terroristenführer Schamil Bassajew werde der bewaffnete Kampf weitergehen.

"Faires und unvoreingenommenes Verfahren"

Der Chef des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB bot den Rebellen eine Amnestie an. FSB-Chef Nikolai Patruschew erklärte im Fernsehen eine zweiwöchige Amnestie für Rebellen, die ihre Waffen abgeben wollten. Die Freischärler sollten die Waffen niederlegen und die Seite wechseln, sagte der Leiter der nationalen Anti-Terror-Komitees und FSB-Chef. Bis zum 1. August sei ihnen ein "faires und unvoreingenommenes Verfahren" sicher. Der Tod Bassajews biete eine Chance, weitere Opfer zu vermeiden, betonte Patruschew.

Es müsse anerkannt werden, dass die Fortsetzung des bewaffneten Kampfes nicht zu einer Lösung des Konfliktes führe, erklärte Sakajew. Daher sollten Verhandlungen mit Russland ohne Vorbedingungen von beiden Seiten aufgenommen werden. Sakajew lebt im Exil in London.

Rebellen-Chef Umarow will bewaffneten Kampf fortsetzen

Rebellen-Präsident Umarow pochte dagegen auf eine Fortsetzung des bewaffneten Kampfes. Ziel sei der "Sieg, an dem wir keine Minute gezweifelt haben", erklärte er im Internet. Der Tod Bassajews sei ein "schwerer Verlust". Zwar seien seine Methoden nicht immer mit der "offiziellen Haltung der Rebellen-Führung" vereinbar gewesen. Bassajew sei aber ein Mann gewesen, "über den sie Legenden, Lieder und Bücher schreiben werden". Die russische Führung, die den Tod Bassajews gefeiert hatte, müsse damit rechnen, dass "zehn genauso wertvolle Helden seinen Platz einnehmen werden".

Anschlag auf Schule

Nach Darstellung des Geheimdienstes wurde Bassajew in der Nacht auf Montag von einer Sondereinheit der russischen Armee in Inguschetien getötet. Laut Rebellenführung "verunglückte" er bei der Explosion eines mit Sprengstoff beladenen Konvois tödlich. Bassajew kämpfte für ein von Russland unabhängiges Tschetschenien und hatte sich zu zahlreichen Gewaltakten bekannt, darunter die Geiselnahmen in einem Moskauer Musical-Theater im Jahr 2002 und in einer Schule im südrussischen Beslan im September 2004, wo offiziellen Angaben zufolge 331 Menschen ums Leben kamen. Auch für den tödlichen Anschlag auf den pro-russischen tschetschenischen Präsidenten Ahmad Kadyrow im Jahr 2004 hatte Bassajew die Verantwortung übernommen.

Der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow hatte bei einem Besuch in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny vor überzogenen Friedenshoffnungen für die Region gewarnt. Es gebe noch weitere Rebellengruppen, die man liquidieren müsse.

In Tschetschenien, wo die russische Armee erstmals 1994 einmarschiert war, kämpfen Rebellen bis heute für die Unabhängigkeit von Moskau. In dem Konflikt wurden schätzungsweise 100.000 Zivilisten getötet. (APA/Red)

Share if you care.