Im Pelz

17. Juli 2006, 20:02
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Der Katalogband der großen Ausstellung in Bern widmet sich Meret Oppenheims ganzem Schaffen

Manchmal verstellt ein einziges Werk den Blick auf die vielfältigen anderen Arbeiten und die Entwicklung eines Künstlers, einer Künstlerin. Meret Oppenheims Pelztasse ist ein Beispiel. Als gerade 23-Jährige hat sie, von Picasso in Paris mehr provoziert als inspiriert, den Einfall gehabt, der sie zu einem Jungstar der Surrealisten katapultiert hat. Daraufhin wurde vieles von dem, was die 1913 in Berlin geborene, in der Schweiz groß gewordene Oppenheim produzierte, zum Modisch-Lustigen verniedlicht. Das wird ihrem vielfältigen, von Richtungswechseln und immer neuen Anläufen angetriebenen Schaffen nicht gerecht.

Zwischen Paris und der Schweiz pendelnd, schuf sie ein umfangreiches Werk - Bilder, Zeichnungen, Skulpturen, Installationen, Selbstbemalung, Drehbücher. Andererseits kokettierte sie später selbst mit dem "Frühstück in Pelz" und führte es fast als Logo in die feministischen Kunstdiskussionen ab den Siebzigern ein. Es ziert auch das Cover von Meret Oppenheim Retrospektive (€ XX/360 Seiten. Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit 2006). Doch zum Glück widmet der Katalogband der großen Ausstellung in Bern (noch bis 8. Oktober) sich ihrem ganzen Schaffen, bis zu ihrem Tod 1985 - am Tag einer Vernissage. (mf, DER STANDARD, Printausgabe vom 15./16.7.2006)

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    foto: buchcover
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