Trauer um Schauspieler Toni Böhm

16. Juli 2006, 18:34
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Schottenberg: "Seit Jahrzehnten hat kein anderer Schauspieler das Gesicht des Volkstheaters so unverwechselbar geprägt"

Wien - Der plötzliche Tod des Volksschauspielers Toni Böhm in der Nacht auf Freitag (14. 7.) im niederösterreichischen Reichenau hat Trauer und Bestürzung ausgelöst. "Seit Jahrzehnten hat kein anderer Schauspieler das Gesicht des Volkstheaters so unverwechselbar geprägt wie Toni Böhm. Sein plötzlicher Tod hinterlässt uns alle ratlos. Toni, wir können dich nicht ersetzen. Aber wir müssen versuchen weiterzuspielen. Für dein Publikum. Und für dich", so Volkstheater-Direktor Michael Schottenberg.

Böhm, dem Publikum auch aus TV und Radio bekannt, war seit 1979, insbesondere dann in der Direktion Emmy Werner (ab 1988), am Volkstheater zum Publikumsliebling avanciert. "Er war ein großer, leider zu leiser Star, dessen Genialität der höchsten Weihen würdig gewesen wäre - zum Beispiel des Nestroy-Rings. Dafür ist es leider wieder einmal zu spät", sagte Werner zur APA. Der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) sagte, "Österreich hat einen seiner größten Menschendarsteller verloren. Toni Böhm war ein Grenzgänger zwischen Tragik und Komik, der es stets verstanden hat, große Gefühle beim Publikum auszulösen. Auch bei seinen komischen Rollen konnte einem das Lachen im Halse stecken bleiben; eine Fähigkeit, die nur große Komiker besitzen."

Tod vor der Vorstellung

Nach Angaben der Festspiele Reichenau, wo Böhm in der aktuellen Saison in Stefan Zweigs "Im Rausch der Verwandlung" mitgewirkt hat, ist der langjährige, vielseitige Publikumsliebling in der Nacht auf Freitag 57-jährig in seiner Unterkunft in Reichenau verstorben. Sein Tod wurde am Freitag erst 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn entdeckt, nachdem Böhm nicht zur Aufführung erschienen war. Der Garderobier fand den Schauspieler in dessen Mietwohnung, schilderte Reichenau-Direktorin Renate Loidolt. Eine genaue Todesursache wurde nicht bekannt gegeben.

Böhm wurde am 3. Juli 1949 in Salzburg geboren und absolvierte das Reinhardt-Seminar in Wien. Er wurde von Hans Gratzer ans Wiener Schauspielhaus geholt. Böhms illustre und abwechslungsreiche Karriere am Volkstheater begann 1979. Dort war der Parade-Nestroydarsteller in Folge u. a. in den Rollen Malvolio ("Was ihr wollt"), Tesmann ("Hedda Gabler"), in der Titelrolle von Cyrano de Bergerac oder als Titus Feuerfuchs in Nestroys "Der Talisman" zu sehen.

Engagements

Aber auch in zeitgenössischen Werken von Elfriede Jelinek und Thomas Bernhard, der Sandor-Marai-Bühnenadaption "Die Glut", oder "New York New York" von Marlene Streeruwitz überzeugte Böhm als vielfältiger, seriöser und von Publikum und Kritik gleichermaßen gelobter Schauspieler. Neben dem Volkstheater stand Böhm auch u. a. bei den Vereinigten Bühnen Graz, an der Freien Volksbühne Berlin, am Schauspiel Frankfurt und am Schauspiel Bonn, beim Berliner Ensemble, den Salzburger Festspielen, im Schauspielhaus Wien und dem Theater in der Josefstadt auf der Bühne.

Der Darsteller war ebenso in zahlreichen Fernsehproduktionen zu sehen, u. a. in "Kaisermühlenblues", "Alpensaga" und "Julia". Er war Radiohörern auch als Stimme des "Ö1"-Reise-Magazins "Ambiente" bekannt. Gleich zwei Mal, 1994 und 2005, hat Böhm den Karl Skraup-Preis entgegen genommen. Bei den sommerlichen Festspielen in Reichenau war Böhm ein gern gesehener Gast, der u. a. in Thomas Bernhards "Alte Meister", Nestroys "Umsonst" oder Stefan Zweigs "Schachnovelle" aufgetreten ist. (APA)

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    Toni Böhm als Doktor während einer Fotoprobe zum Stück "Andorra", Theater in der Josefstadt, März 2006

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