Juve, Fiorentina und Lazio müssen absteigen

26. Juli 2006, 22:45
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Urteil gesprochen: Turiner starten mit 30 Minuspunkten in Serie B und verlieren die letzten beiden Meistertitel - Milan darf erstklassig bleiben

Rom - Das Urteil im italienischen Fußballskandal ist gesprochen: Juventus Turin, Lazio Rom und der AC Fiorentina müssen in die Serie B absteigen. Der mit angeklagte AC Milan bleibt nach erstinstanzlichen Urteil des italienischen Fußballverbandes (FIGC) zwar in der ersten Liga, wird aber dieses Jahr nicht an der Champions League teilnehmen. Milan wurde mit einem Punktabzug für die abgelaufene Saison von 44 Zählern bestraft. Außerdem müssen die Mailänder die kommende Serie-A-Saison mit 15 Minuspunkten in Angriff nehmen.

Juventus werden die beiden vergangenen Meistertitel 2005 und 2006 aberkannt, zudem startet der Klub mit 30 Minuspunkten in die Serie-B-Saison. Fiorentina beginnt mit zwölf, Lazio mit sieben Minuspunkten. Dem AC Milan wird nachträglich der Meistertitel 2005 (Zweiter hinter Juve) zugesprochen, der Titel 2006 bleibt bis auf weiteres unvergeben. (In ersten Meldungen war Inter Mailand als Gewinner des Scudetto angegeben worden.) Das gaben die Richter nach längerem Verfahren am Abend in Rom bekannt.

Berufsverbote für Moggi und Giraudo

Harte Strafen auch für den früheren Juventus-Manager Luciano Moggi, der als Drahtzieher der Liga-Manipulationen gilt: Er erhält fünf Jahre Berufsverbot im Verband. Liga-Präsident Franco Carraro wird mit viereinhalb Jahren Berufsverbot betraft, die gleiche Strafe erhält unter anderem Schiedsrichter Massino De Santis. Insgesamt waren 26 Funktionäre angeklagt, jedoch keine Spieler.

Somit erben Inter Mailand und die AS Roma aller Voraussicht nach Italiens Fixplätze in der Champions League. Chievo Verona und Palermo werden sich in der Qualifikation versuchen. Im UEFA-Cup dürfen sich Livorno, Empoli und Parma bewähren. Messina, Lecce und Treviso müssen nicht absteigen.

Juventus hatte angekündigt, eine Versetzung in die Serie B hinzunehmen. "Eine Strafe wie für die anderen angeklagten Vereine wäre für uns zu akzeptieren", sagte Anwalt Cesare Zaccone. Beim AC Milan ist man mit dem Klassenerhalt wohl zufrieden, obwohl Präsident Berlusconi nach dem Strafantrag gemutmaßt hatte, dass man ihm politisch schaden wolle. Milan habe keine Begünstigungen von Schiedsrichtern erhalten. "Im Gegenteil, der Klub ist Opfer der Absprachen anderer Klubs mit den Unparteiischen gewesen", wetterte er.

Strafen unter Forderungen der Anklage

Die Anklage hatte für Rekordmeister Juventus gar den Abstieg in die dritte Leistungsklasse gefordert. Auch Milan hätte nach Auffassung von Chefankläger Stefano Palazzi in die zweite Liga versetzt werden sollen. Die Verkündung des Urteils hatte sich zuletzt immer wieder verzögert, die "Gazzetta dello Sport" verfügte aber offenbar detaillierte Informationen über den nun erfolgten Spruch, und hatte bereits in ihrer Freitag-Ausgabe den Ausgang ziemlich präzise vorher gesagt.

Es herrscht weiter Zeitdruck, da das Verfahren auch in zweiter Instanz bis Ende Juli finalisiert werden muss. Dann müssen nämlich die Teilnehmer für die Europacup-Bewerbe endgültig gemeldet werden. Eine Berufungsverhandlung ist Ende kommender Woche möglich.

Den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge soll Moggi Kopf einer Mafia-ähnlichen Vereinigung gewesen sein. Zu seinen engsten Komplizen gehörte demnach Schiedsrichter De Santis. Es heißt, "Big Luciano" habe befohlen, welche Schiedsrichter die Spiele von Juventus leiten sollten. Durch gezielte Verteilung von Gelben Karten sollten die Gegner geschwächt werden.

Seit dem WM-Sieg hatten zahlreiche Stimmen aus Sport und Politik Milde und Nachsicht gefordert: Der italienische Fußball dürfe jetzt nicht bestraft und geschwächt werden. Vor allem die wirtschaftlichen Folgen eines Zwangsabstiegs seien unabsehbar, hieß es. Allerdings sprach sich Ministerpräsident Romano Prodi noch kurz vor dem Urteil gegen eine Amnestie aus. (red/APA/dpa)

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    Cesar Ruperto, Vorsitzender des FIGC-Tribunals, verliest das Urteil im Verfahren um weitverbreitete Manipulationen im italienischen Spitzenfußball.

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