"Gib Gummi!" für Radler

19. Juli 2006, 10:58
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Radfahrer lassen auf dem Designer-Asphalt vor dem Salzburger Festspielhaus Spuren - Jetzt schreitet die Polizei ein

Salzburg - Zwei Radfahrer des Typs "Vierzig plus"- Aktentasche, helles Sakko, Krawatte, teures City-Bike - auf dem morgendlichen Weg ins Büro durch die Salzburger Innenstadt: Vor den Festspielhäusern treten die beiden plötzlich immer heftiger in die Pedale, die anfangs gemütliche Fahrt wird rasant. Dann eine Vollbremsung und die beiden Mittvierziger betrachten, ein spitzbübisches Lächeln im Gesicht, ihr Werk: Zwei breite Bremsspuren verzieren den honigfarbenen Straßenbelag in der Hofstallgasse.

Volkssport

Der Versuchung auf dem im Zuge der Neugestaltung des Festspielbezirks frisch aufgebrachten Designer-Asphalt heftige Bremsmanöver zu vollführen, konnten in den vergangenen Tagen offensichtlich viele Salzburger nicht widerstehen. Mehr noch: Bremsen in der Hofstallgasse ist beinahe schon Radler-Volkssport geworden. Vor allem seit klar wurde, dass der spezielle Splitt-Mastix-Belag den Gummiabrieb nicht verträgt. Die Spuren von Fahrrädern und einzelnen Autos dringen tief in die Oberfläche ein und haben allen Reinigungs- und Kehrmaschinen standgehalten. Was als veredelte Oberfläche geplant war, gleicht einer Flughafenrollbahn.

Bei den Verantwortlichen herrscht wenige Tage vor Eröffnung der Festspiele einigermaßen große Ratlosigkeit. Das Versprechen des planenden Architekturbüros, der Gummiabrieb würde in einigen Wochen von selbst verschwinden, weil sich der goldene Belag von selbst aufhelle, hat niemand beruhigt. "Sauteurer Pfusch", schimpft beispielsweise die FP-Fraktion im Gemeinderat.Tatsächlich dürfte der Fehler aber nicht bei der Stadt, den Planern oder der Baufirma sondern beim Erzeuger selbst liegen. Laut Darstellung von Baustadtrat Martin Panosch (SP) hätten die Bayerischen Asphalt-Mischwerke eingestanden, dass "das Bindemittel, welches die Körner in der obersten Schicht umhüllt, fehlerhaft"sei. "Das Bindemittel wird zu schnell weich. Dadurch wird die Oberfläche klebrig und der Abrieb extrem sichtbar."Die Kosten für die Sanierung hätten die Asphaltwerke zu tragen, so der Baustadtrat.

Bremskontrolle

Um bis dahin wenigstens weiteren "Gib Gummi"-Vandalismus zu verhindern, hat man die Exekutive auf den Plan gerufen. Über die Lokalmedien ließ man den Rad-Rowdys ausrichten, dass ein absichtliches Bremsmanöver "eine Sachbeschädigung" darstelle und zu einer Vorstrafe führen könne. Zum Schutz des teuren Asphalts würden auch Zivilfahnder eingesetzt.

Bremsende Radler sind freilich nicht die einzigen Feinde der empfindlichen Straßenoberfläche im Festspielbezirk. Sorgen bereiten den Magistratsbeamten auch die Hufeisen der Fiakerpferde. Diese könnten in den Boden eingelassene Lichtbänder beschädigen. Anfang Juli musste zu diesem Thema sogar ein politischer Fiakergipfel einberufen werden, kurzzeitig stand ein Fahrverbot für die Touristenkutschen im Raum. Soweit ist es nach einem Machtwort von Bürgermeister Heinz Schaden (SP) nicht gekommen. Vorerst einmal müssen die Fiaker nur auf die harten Wintereisen verzichten und weichere Kornstollen für die Pferde verwenden. Es gibt Hufkontrollen. (Thomas Neuhold , DER STANDARD Printausgabe, 15./16.07.2006)

  • Radler und auch Autofahrer haben auf dem goldenen Designer-Asphalt die Brems-Festspiele eröffnet
    foto: wild&team

    Radler und auch Autofahrer haben auf dem goldenen Designer-Asphalt die Brems-Festspiele eröffnet

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