Bodensee-Pegel im neuen Jahrtausend um 80 Zentimeter niedriger

16. Juli 2006, 12:00
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Forscher beobachteten Veränderungen seit 1999: Auswirkungen auf Schifffahrt und Bebauung zu erwarten

Konstanz - Der Wasserspiegel des Bodensees ist zwischen 1999 und 2005 um 80 Zentimeter gesunken. Sinkende Pegel und Klimaveränderung haben teilweise dramatische Auswirkungen auf Nutzer, Natur und Kultur. Extreme Hoch- und Niedrigwasser werden am Bodensee zunehmen. Das erwarten Wissenschafter und Ingenieure der Arbeitsgruppe Bodenseeufer (AGBU), die sich in Konstanz zu einer Fachtagung getroffen haben. Im Sommer werden die Schiffe auf dem Trockenen liegen, dafür müssen die Anrainer im Winter mit Hochwasser rechnen.

Anhaltender Anstieg

Die Durchschnittstemperaturen sind in den vergangenen 30 Jahren um rund 0,6 Grad gestiegen. Die Forscher rechnen mit einer weiteren Zunahme um 1,5 Grad. Obstbauern und Winzer können sich daher über zunehmende Erträge freuen, allerdings werden dadurch auch andere Schädlinge auftreten.

Vor allem die Ufervegetation ist bereits jetzt vom Klimawandel betroffen. Durch das Hochwasser 1999 sind 25 Prozent des Schilfgürtels abgestorben. Inzwischen haben sich Rohrkolben angesiedelt und neue Weidenauenwälder entstehen. Außerdem blühen die Pflanzen immer früher.

Archäologen in Sorge

Alarm schlagen die Archäologen, denn im Bodensee liegen historische Quellen von internationaler Bedeutung. Mehr als 100 Pfahlbausiedlungen sind bekannt. 80 Prozent davon sind durch massive Erosion bedroht. Jahrtausendelang wurden die Holzpfähle durch den Schlick konserviert. Inzwischen beobachten die Unterwasserarchäologen Abspülungen von mehreren Zentimetern pro Jahr.

Auch der Fischbestand geht zurück. Dies liegt jedoch nicht nur am sinkenden Wasserstand, sondern auch daran, dass der See durch die vielen Kläranlagen für die Fische weniger Nahrung bietet. Wie sich die Speicherbecken im Alpenrhein auf den Pegel auswirken können die Forscher nicht genau sagen, da ihnen keine Daten zur Verfügung gestellt werden, sagte Wolfgang Ostendorp vom Limnologischen Institut der Universität Konstanz.

Um den Bodensee möglichst in einem stabilen ökologischen Gleichgewicht zu halten, plädieren die Forscher für die Renaturierung der Ufer- und Flachwasserzonen. Die Klimafolgenforschung müsse verstärkt werden. (APA/sda)

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    Bootstaufe am Bodensee

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