Monsterwellen: Deutlich öfter als alle 10.000 Jahre

15. Juli 2006, 19:00
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"Freak Waves" kommen wesentlich häufiger vor als früher angenommen - Forscher gehen ihrem Ursprung nach

New York/Geesthacht - Bis vor kurzem wurden "Freak Waves", gigantische individuelle Wellen die plötzlich aus dem Nichts entstehen, noch als Märchen abgetan. In den vergangenen Jahren haben verschiedene wissenschaftliche Forschungen sowie Wahrnehmungen mit Radarsatelliten der ESA jedoch nachweisen können, dass Freak Waves viel häufiger vorkommen und viel schädlicher sind, als bis jetzt angenommen wurde, wie die New York Times in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse wird jetzt ihr Ursprung erforscht.

Noch vor einigen Jahren besagten mathematische Modelle, dass Riesenwellen statistische Unwahrscheinlichkeiten sind, die nur alle 10.000 Jahre vorkommen. Als im Jahre 1995 eine Nordsee-Bohrinsel von einer 26 Meter hohen Freak Wave getroffen wurde, und ein meereskundliches Forschungsschiff fünf Jahre später vor der Küste von Schottland Wellen von über 29 Meter messen konnte, zweifelte jedoch niemand mehr an der Existenz dieses Phänomens.

"MaxWave"

Im Rahmen des EU-Projektes "MaxWave" wurden zwischen 2001 und 2003 30.000 Radarbilder, die in insgesamt drei Wochen aufgenommen worden waren, analysiert und bewertet. "In diesen drei Wochen tauchten weltweit zehn Riesenwellen von über 25 Meter auf", erläutert Wolfgang Rosenthal, Wissenschaftler am GKSS Forschungszentrum in Geesthacht und Initiator des MaxWave-Projektes. "Das war mehr, als wir aufgrund der bisherigen Theorien erwartet hatten."

Mittlerweile haben die Forscher einige Entstehungsmechanismen von Riesenwellen entschlüsseln können. So kann ein Freak Wave entstehen, wenn der Wind gegen eine starke Meeresströmung drückt. "Eine andere mögliche Ursache ist, dass die Wellenenergie durch variable Strömung auf einen Punkt fokussiert wird, so dass immer größere Wellen entstehen", erklärt Rosenthal. Eine dritte, vorerst rein hypothetische, Möglichkeit sei, dass Instabilitäten in den Wellen selbst dazu führen, dass die Wellen sich überlagern und so immer größer werden. Besonders berüchtigt sind Regionen mit sehr starken Meeresströmungen, wie etwa der Aghulasstrom vor der Ostküste von Südafrika, der Kuroshio-Strom bei Japan und die Strömungen vor den Küsten Nord- und Mittelnorwegens.

Warnsystem denkbar, aber aufwändig

Obwohl es jetzt noch Zukunftsmusik sei, hält Rosenthal es für denkbar, künftig ein Warnungssystem entwickeln zu können, das das Risiko für das Auftreten von Riesenwellen rechtzeitig erkennen kann. " Per Satellit könnte festgestellt werden, wie die Wellen sich fortpflanzen. Falls die Wellen zueinander laufen, kann eine Warnung ausgesprochen werden." Dazu sollten allerdings genügend Satelliten eingesetzt werden, und zwar weltweit, so Rosenthal abschließend. (pte)

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    Die Filmindustrie hat sich längst auf die Riesenwellen gestürzt: In "The Perfect Storm" begegnet George Clooney einer mit seinem Fischkutter (siehe Bild) - im aktuellen Streifen "Poseidon" wirft eine andere gar einen Luxusdampfer um.

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