Herausforderung Jobwechsel

18. Juli 2006, 15:08
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Lassen Sie sich nicht von falscher Geborgenheit verleiten . . .

Ein Jobwechsel ist nicht nur aus fachlicher Sicht eine Herausforderung. Fachwissen und erforderliche Kenntnisse werden vorausgesetzt. Ob Sie erfolgreich durchstarten, ist von ganz anderen Faktoren abhängig:

Sie müssen sich mit neuen Unternehmenswerten identifizieren und sollen sich rasch in ein fremdes Team integrieren. Wer denkt, dass man sich nur die richtigen Verbündeten suchen muss, sei gewarnt. Die Geborgenheit, die man in einem rasch geknüpften Beziehungsgeflecht zu finden glaubt, ist eine falsche. Im schlimmsten Fall bleibt Ihnen von diesen vorschnell geschlossenen Bündnissen ein Imageschaden, der sich nur schwer reparieren lässt. Lassen Sie sich nicht auf eine schwer einschätzbare Gruppendynamik ein - verlassen Sie sich auf Ihre eigenen Fähigkeiten.

Geben Sie sich ein gutes halbes Jahr Zeit, die inoffiziellen Hierarchien zu durchschauen. Nehmen Sie in diesem Zeitraum nur eine beobachtende Rolle ein.

Bringen Sie sich fachlich, gerne auch menschlich ein. Punkten Sie auf der Sympathieebene, lassen Sie jedoch Emotionen aus dem Spiel.

Bleiben Sie in Diskussionen stets sachlich und lassen Sie sich nicht auf Standpunkte von Kollegen ein, nur weil diese länger dabei sind.

Loten Sie aus, wie das interne System arbeitet, und integrieren Sie sich, indem Sie sich den Abläufen (z. B. Pünktlichkeit) anpassen.

Wenn Sie um Ihre Meinung zu einem Tratsch-Thema gebeten werden, ziehen Sie sich auf einen neutralen Standpunkt zurück.

Knüpfen Sie Netzwerke, positionieren Sie sich aber nicht über Seilschaften.

Lassen Sie sich nicht protegieren, außer über offizielle Mentoring-Programme.

Um die Arbeitsmoral Ihrer neuen Kollegen ist es schlecht bestellt? Stimmen Sie nicht in das Lamento mit ein. Ziehen Sie Ihre eigenen Schlüsse.

Lob und Anerkennung tun gut - vor allem in der Anfangsphase -, verpflichten Sie aber zu nichts.

Kompromisse und Entgegenkommen sind wichtig. Stellen Sie aber sicher, dass Sie nicht ausgenutzt werden.

Akzeptieren Sie die bestehenden Strukturen, krempeln Sie nicht gleich die ganze Abteilung um, und stellen Sie Gewohntes nicht sofort infrage. (Manuela Lindlbauer, Der Standard, Printausgabe 15./16.7.2006)

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