Kopf des Tages: Valerie Plame

28. Juli 2006, 13:52
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Ungewollt im Zentrum der "Plamegate"-Affäre: Valerie Plame

Eine CIA-Agentin, über die man ein Porträt schreiben kann, hat irgendetwas falsch gemacht. Der "Fehler"von Valerie Plame Wilson war es offenbar, im April 1998 mit dem früheren US-Botschafter Joseph Wilson einen Mann geheiratet zu haben, der sich der Wahrheit stärker verpflichtet fühlt als seinem obersten Dienstherrn: US-Präsident George W. Bush. Sonst wäre Plames Identität bis heute nicht aufgeflogen.

Das glaubt jedenfalls das Ehepaar (und wohl auch kein unbedeutender Teil der amerikanischen Öffentlichkeit), weshalb die beiden Klage gegen US-Vizepräsident Dick Cheney, Präsidentenberater Karl Rove und eine Reihe anderer Regierungsbeamten eingereicht haben: Die Enttarnung Plames in einem Zeitungsartikel im Juli 2003 soll die Rache dafür gewesen sein, dass Wilson die Gründe für den Irak-Krieg öffentlich anzweifelt hatte.

Dabei hat die 43-Jährige in den knapp 20 Jahren ihrer CIA-Tätigkeit sorgfältig darauf geachtet, ihre eigentliche Aufgabe geheim zu halten. Selbst engste Freunde wussten nichts von ihrem Doppelleben. Auch ihrem späteren (zweiten) Ehemann Wilson stellte sich die Blondine zunächst als "Energieberaterin"vor, als sie ihn Anfang 1997 in Washington auf einer Party kennen lernte.

Wann und wie lange die in Alaska geborene Mutter von Zwillingen wirklich als Undercover-Agentin gearbeitet hat, ist in den USA umstritten. Ein früherer Kollege erzählte, sie sei eine "inoffizielle Undercover-Agentin"(NOC) gewesen. Einer der gefährlichsten Geheimdienstjobs, den die Öffentlichkeit nur aus James-Bond-Filmen kennt: als private Geschäftsfrau (in ihrem Fall: Energieanalystin) unterwegs, ohne diplomatischen Pass oder Rückhalt der Auslandsvertretungen. Wer auffliegt, muss mit Haft rechnen - oder mit der Todesstrafe.

Andere Quellen berichten, diesen Status habe sie nicht gehabt, wenngleich sie in geheime Operationen involviert gewesen sei. Laut USA Today hat Plame seit 1997 im CIA-Hauptquartier in Langley/Virginia gearbeitet, nach ihrem letzten Auslandseinsatz. Die Washington Postmeldete, sie und andere Agenten seien aus Sicherheitsgründen aus dem Ausland zurückbeordert worden, weil der russische Geheimdienst über die Identität dieser US-Agenten erfahren habe.

Nun ist sie ungewollt im Zentrum einer Staatsaffäre; die CIA-Karriere ist vorbei. Eine Freundin sagt, Plame stehe seit ihrer Enttarnung unter "enormem Stress". In der Öffentlichkeit gibt sich das Paar hingegen locker-souverän. So ließen sich die beiden für das Hochglanz-Magazin Vanity Fairmondän in ihrem teuren Jaguar Cabrio ablichten, sie mit großer Sonnenbrille und Kopftuch, das Ganze wortspielerisch unter der Überschrift "Double Exposure"- "doppelte Enthüllung". (Julia Raabe/DER STANDARD, Printausgabe, 15./16. Juli 2006)

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    Ex-CIA-Agentin mit Hang zum Mondänen

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