"Die Stadien liefern das Feuer"

15. Juli 2006, 21:32
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Die EURO-Stadien werden sich mit jenen der WM in Deutschland nur in puncto Größe nicht messen können. Architekt Albert Wimmer im STANDARD-Interview

Standard: Deutschland hat auch dank der großen Stadien eine äußerst stimmungsvolle WM hinter sich. Können die im Vergleich viel kleineren Stadien für die EURO 2008 eine ähnliche Stimmung erzeugen?
Wimmer: Die Stimmung hängt nicht von der Größe ab. Auch unsere Stadien sind ja rundum geschlossene Arenen, Stadien-Kessel also. Es werden Kessel voller Emotionen sein.

Standard: Was müssen die Stadien bei solch einer Veranstaltung leisten?
Wimmer: Die Stadien sind die Marktplätze der Zukunft. Die Plätze für das gemeinsame Erleben aller Schichten, aller Altersgruppen sind mehr und mehr verloren gegangen und kommen jetzt in Form der Stadien wieder. Sie sind nicht mehr nur für die so genannten eingefleischten Fußball-Fans, sondern für alle da, die ihre Sehnsucht nach starken emotionellen Eindrücken ohne Barrieren stillen wollen. Außerdem müssen die Stadien und ihr Umfeld ein Signum, ein Wahrzeichen der jeweiligen Stadt sein.

Standard: Gelingt das den österreichischen Stadien für die EURO? Ist das bei allen WM-Stadien gelungen?
Wimmer: Dass es bei uns gelingen wird, da bin ich sicher. In Innsbruck und Salzburg erfüllen die Stadien diese Anforderungen schon, in Klagenfurt wird es nicht anders sein. In Deutschland stand die Allianz-Arena in München stark im Vordergrund, sie hat das Interesse an den anderen Stadien fast abgestochen.

Standard: Was haben Sie als Planer etwa der Arena in Klagenfurt aus der WM in Deutschland gelernt?
Wimmer: Ich habe mir die Stadien in Deutschland natürlich schon vor der WM genau angesehen. Aber Stadien müssen für die spezifischen örtlichen Gegebenheiten maßgeschneidert sein. Wir dürfen Sachen nicht wiederholen, die nicht mehr in die Zeit passen. Das Stadion in München wirkt wie ein gelandetes UFO, es fehlt an Urbanität. Wenn es nicht benützt wird, hat es den Gebrauchswert einer Ruine. Vorbildlich war in Deutschland, dass alles mitgedacht wurde. Das begann bei der Security und endete bei der Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Das war eine Meisterleistung im Gesamtverständnis.

Standard: Was wird die österreichischen Stadien gegenüber den deutschen auszeichnen?
Wimmer: Die Rückbaubarkeit der Arenen in Innsbruck, Salzburg und Klagenfurt und die Wiederverwertbarkeit ihrer Komponenten ist eine großartige Innovation. Es hat in Deutschland auch schöne Innovationen gegeben, etwa in Frankfurt das System zur Schließung des Daches. Aber die vor drei Wochen bewerkstelligte Hebung des Salzburger Stadiondaches ist technisch die weit größere Innovation gewesen.

Standard: Ist Österreich, was den Stadienbau betrifft, im Plan? Was bleibt noch zu tun?
Wimmer: Die Arbeit, die noch bevorsteht, hat mit den Stadien nichts zu tun. In dieser Beziehung sind alle Probleme gelöst. Es geht jetzt darum, eine Stimmung aufzubauen, wie das Deutschland strategisch getan hat. Das Zusammenfügen von Sport, Kunst und Kultur hat dort ja sogar identitätsstiftend gewirkt. Natürlich liefern gelungene Stadien das Feuer dazu. (Mit Albert Wimmer sprach Sigi Lützow - DER STANDARD PRINTAUSGABE 15./16.7. 20069

Zur Person

Albert Wimmer (58) ist seit 1977 selbstständiger Architekt in Wien. Neben den Stadien in Salzburg und Innsbruck gehören das Donaukraftwerk Wien-Freudenau, Wohnanlagen, Einkaufszentren sowie die Bahnhöfe und Bahnhofsvorplätze in Amstetten, Villach und Wörgl zu seinen wesentlichsten realisierten Projekten. Wimmer, verheiratet und Vater von zwei Töchtern, ist seit 1998 Vorsitzender der Architekten im Wiener Künstlerhaus.

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    Das Modell "Sportpark Wörthersee-Stadion 2008"verheißt eine schöne Arena in Klagenfurt.

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