Tourismus bedroht das polare Eis

14. Juli 2006, 18:27
posten

200 interdisziplinäre Forschungsprojekte sind im Rahmen des Internationalen Polaren Jahres 2007/08 geplant - bei einem von ihnen ist Österreich federführend beteiligt

Edinburgh/Innsbruck - Mehr als 30.000 Touristen sind in der Saison 2005/06 in der Antarktis an Land gegangen, innerhalb von nur vier Jahren hat sich diese Zahl verdoppelt. Verändert hat sich aber auch die Qualität dieses Tourismus: Die Aufenthalte dauern länger, einige haben Kajakfahrten, Eisklettern und Tauchen auf dem Programm.

Bei der jährlichen Konferenz des Antarktisvertrages, die heuer in Edinburgh stattgefunden hat, haben Vertreter aus 45 Staaten über die wachsenden, damit verbundenen Probleme beraten. Denn: Was hier zu Lande in wenigen Jahren verrottet, braucht in der Antarktis aufgrund des verlangsamten Stoffwechsel oft 500 Jahre, skizziert die Innsbrucker Polarforscherin Birgit Sattler einen wesentlichen Teil des Problems. Sattler war als offizielle (und einzige) Vertreterin Österreichs in Edinburgh dabei.

Forscher weisen darauf hin, dass durch den Tourismus bereits 200 der Region fremde Tiere und Pflanzen, darunter Ratten und Katzen, aber auch gefährliche Mikroorganismen eingeschleppt worden sind. Im Prinzip waren sich in Edinburgh alle einig, dass der Tourismus eingedämmt oder zumindest besser kontrolliert werden muss. Beschlüsse scheiterten allerdings am Widerstand der USA.

Mit dem Vertrag von 1961 ist die Antarktis internationalisiert worden. Österreich zählt nicht zu den 28 Vollmitgliedern, sondern beschränkt sich auf eine (billigere) Rolle als assoziiertes Mitglied. Die Biologin Sattler bedauert dies, weil es zwischen der Arbeit in den alpinen Gletschern und dem polaren Eis viele Gemeinsamkeiten gibt.

Die Konferenz in Edinburgh diente auch der Koordination und Vorbereitung von über 200 Forschungsprojekten, die im Internationalen Polaren Jahr (IPY) 2007/08 stattfinden.

"Dadurch sind interdisziplinäre Forschungsansätze möglich, die es so schnell nicht wieder geben wird", betont Sattler. Österreich wird im IPY mit dem Projekt FERMAP im russischen Franz-Joseph-Land federführend dabei sein, bei dem es etwa um die Etablierung von Langzeit-Monitoring-Systemen in der Tundra im Zusammenhang mit dem Klimawandel geht.

Das Wissenschaftsministerium hat die dafür bewilligten Mittel (bis 2011) mit 5,2 Millionen Euro beziffert. Über zwei weitere fertige Projektanträge in der Region hat es noch nicht entschieden. (Hannes Schlosser/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12. 15./16. 7. 2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Neben der Erwärmung der Erde gefährdet Fremdenverkehr die Antarktis.

Share if you care.