SK Sturm muss weiter Konkurs fürchten

18. Juli 2006, 14:55
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Neuerliche Hausdurchsuchung durch Steuerfahnder, Grüne sehen Ende des Klubs - Kartnig: "Das geht die nix an"

Graz - Sturm-Fans müssen offenbar weiter bangen, ob es ihren Verein im Herbst noch geben wird. Denn trotz der umstrittenen Rettungsversuche seitens der Landesregierung sind die Finanznöte, in die der Klub unter seinem Präsidenten Hannes Kartnig schlitterte, nicht überstanden. Im Gegenteil: Um die von SPÖ-Sportlandesrat Manfred Wegscheider in Aussicht gestellte Landeshaftung von 1,2 Millionen zu erhalten, muss der Verein nämlich laut Vertragsklausel bis Herbst eine positive Fortführungsprognose vorlegen. Doch angesichts der Zahlen, die "Format" in seiner jüngsten Ausgabe veröffentlichte, kommen vermehrt Zweifel darüber auf, wie eine solche Prognose, ohne die keine Kredite mehr fließen können, zustande kommen soll. Abgesehen von satten 3,5 Millionen, die in den Geschäftsbüchern laut Prüfern fehlten, soll Sturm auch ein Sicherstellungsauftrag der Finanzbehörde für 500.000 Euro hinterzogene Lohnsteuern zugestellt worden seien.

Der Freitagmorgen beginnt für den Verein mit Hausdurchsuchungen im Fan-Shop in der UCP-Arena, die Aktion war von der Finanzbehörde eingeleitet worden.

"Ich frage mich, wer sich da traut, eine positive Prognose auszustellen", meinte der Grünen-Abgeordnete Peter Hagenauer am Freitag skeptisch. Hagenauer warnt im steirischen Landtag seit Monaten davor, dem Klub weitere Gelder zu gewähren, so lange Kartnig Präsident bleibt. Die umstrittene Klausel sei überhaupt erst auf Druck der Grünen eingefügt geworden, "sonst könnten wir jetzt schon zahlen", glaubt der Politiker.

Promi ohne Sessel

Hagenauer kritisiert die Sportpolitik Wegscheiders, weil dieser "einen Promi-Hintern retten" wolle, "während der Sessel unter dem Allerwertesten längst zusammen gebrochen ist". Jetzt sei ein Überleben sogar ohne Kartnig nicht mehr gewiss, glaubt Hagenauer, denn "das Land hätte schon vor Monaten einen Kassasturz machen und sich vom angeblich mittellosen Kartnig holen müssen, was noch zu holen ist".

Unerschütterlich optimistisch versucht sich indes Kartnig zu geben. Vom STANDARD nach der verbleibenden Chance einer positiven Fortführungsprognose gefragt, meint er: "Aber ja! Das geht sich alles aus!" Beim Wort "Grüne" geht der Präsident dann aber verbal in die Luft: "Das geht die nix an, die geben uns eh kein Geld! Der Hagenauer soll im Stadtpark die Vogerl füttern und den Mund halten!" (Colette M. Schmidt - DER STANDARD PRINTAUSGABE 15/16.7. 2006)

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