Der Musterschüler

8. August 2006, 14:49
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Grüner und Roter Veltliner sind regionale Spezialitäten am Wagram, Löss ist der Boden. Beide Komponenten ergeben füllige, extraktreiche Weine, deren Qualität im vergangenen Jahrzehnt kontinuierlich gestiegen ist

„... am Wagram“ führen viele Orte als Zusatz in ihren Namen. Sie liegen entlang jener Geländestufe, die sich bei Krems beginnend parallel zur Donau in Richtung Osten bis nach Wien zieht. Sie steigt wenige hundert Höhenmeter Meter terrassenförmig gegen Norden an und besteht im Großen und Ganzen aus einem Schotterkörper, den die urzeitliche Donau angeschwemmt hat und auf dem eine dicke Auflage aus Löss liegt. Das „äolische Schluffsediment“, sehr feine Quarzpartikel, die per Wind herantransportiert wurden, manifestiert sich als kompakte, gelbfarbene Masse und tritt hier in dieser Landschaft in anderswo selten zu findender Ausdehnung und Mächtigkeit - bis zu 25 Meter - auf.

Bio-Weinbau konzentriert

Die Weine, die auf dem Wagramer Löss wachsen, fallen im Allgemeinen etwas körper- und extraktreicher aus, erklärt Franz Leth, Winzer aus Fels am Wagram. „Eine Besonderheit ist auch der hohe Kalkgehalt, durch den sie eine mineralische Note erhalten, die bei Löss-Weinen nicht immer zu finden ist.“ Stefan Mehofer vom Weingut Neudeggerhof verweist auf die hohe Wasserspeicherkapazität von Löss, die Bewässerung so gut wie hinfällig macht, wobei aber Löss im Gegensatz zum ebenfalls sehr aufnahmefähigen Lehm, „das Wasser auch wieder gut abgibt. Dadurch ist der Boden gut durchlüftet, verdichtet nicht so stark und bleibt gut bearbeitbar“, so Mehofer, der nach biologisch-organischen Grundsätzen arbeitet. Eine Arbeitsweise, die am Wagram, relativ häufig zu finden ist.

Die Weingüter Wimmer-Czerny und Söllner haben sich für biodynamischen Weinbau entschieden, der aufwändigsten aller Bio-Weinbau-Schienen. Als Trend oder Strategie der Region will Mehofer Bio-Weinbau aber dennoch nicht sehen. Die Strömung werde zwar stärker, „was aber ein genereller Trend ist“. Die Region, in der vor allem Weißweine gekeltert werden, eignet sich jedenfalls gut dafür, es sei „hier klimatisch einfacher als beispielsweise in der Steiermark oder im Burgenland mit all den Rotweinen, denen bereits leichte Edelfäule zusetzen kann“.

Begriffe und Abspaltungen

Dass Wagram als Teilregion die wesentlich geläufigere Bezeichnung für jenes Weinbaugebiet ist, das eigentlich Donauland heißt und zu dem auch Gebiete südlich der Donau um Klosterneuburg bei Wien gehören, ist eine Tatsache. Wagram sei geographisch definiert und der eigentliche „identitätsstiftende Begriff“, während „Donauland überall entlang der Donau sein könnte“, erklärt Leth die Bestrebungen der Winzer, diese Bezeichnung auch stärker herauszustellen, wofür allerdings auch noch einige gesetzliche Anpassungen notwendig sind. Donauland, das heute rund 2700 Hektar umfasst, hat in den vergangenen fünfzehn Jahren bereits einige Modifikationen erfahren. Carnuntum, eine Weinbauregion östlich von Wien und am südlichen Donauufer, hat sich 1993 abgespalten, Traisental, ebenfalls südlich der Donau entlang des Zubringerflusses Traisen gelegen, ist seit 1996 unabhängig.

Weißwein dominiert

Auf mehr als 80 Prozent der Donauland-Rebflächen stehen Weißweinsorten. Löss eignet sich besonders für Grünen Veltliner, die österreichische Paradesorte hält auch den größten Anteil an den Rebflächen. Durch den hohen Kalkgehalt bringen aber auch Burgundersorten wie Chardonnay und Weißburgunder verlässlich gute Ergebnisse. Im Gegensatz zu den Grünen Veltlinern von Nachbarn wie Kamptal oder Wachau seien jene vom Wagram „vielleicht von Beginn an harmonischer. Man muss nicht so lange warten, bis sie rund und zugänglich sind, sie haben aber trotzdem Potenzial“, grenzt Leth das Geschmacksprofil regional ab.

„Absolute Traditionssorte“ ist aber Roter Veltliner, der mit dem „Grünen“ Namenskollegen keinerlei Verbindung hat. In den 60er und 70er Jahren, als wie überall hohe Erträge über Qualitätsstreben gestellt wurden, fiel die Rebsorte in Ungnade, da sie im unteren Qualitätsbereich nur mäßige Ergebnisse bringt, im Gegensatz zum Grünen Veltliner, der insgesamt pflegeleichter und auch im einfachen Bereich geschmacklich spannender sein kann. „Roter Veltliner braucht die strenge Winzerhand“, so Leth. Nur dann entstünden hochklassige Weine, die auch gut lagerfähig sind.

Der Pflege dieser alten Sorte und der Entwicklung des Grünen Veltliners in der Region widmet man sich in einer önologischen Arbeitsgruppe der „Wagram Weingüter“, einer von zwei relevanten Winzervereinigungen am Wagram. 16 Mitglieder zählt die Gruppe, die 2002 nach einer Restrukturierung aus der Vereinigung Collegium Vinum Wachrain - Wagramer Selektion hervorgegangen ist. Dieser wieder wurde bereits 1989 gegründet und hat heute nach einer Neugründung 15 Mitglieder. (Luzia Schrampf)

Das Regionsportrait über Donauland und Wagram ist am 26. Mai 2006 in der Süddeutschen Zeitung erschienen
  • Artikelbild
    foto: www.tiscover.at
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