USA: Politische Eskalationen und Ölpreis drücken auf Kurse

18. Juli 2006, 16:20
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Ein Kommentar von Alexander Sikora-Sikl aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die US Aktienmärkte neigten in der abgelaufenen Handelswoche deutlich zur Schwäche. Hauptgrund hierfür war vor allem das Rekordhoch des Ölpreises, welcher zeitweise auf über 78 USD/bbl geklettert war. Zusätzliche Belastung erfuhr der Markt von der politischen Eskalation im Nahen Osten. Enttäuschend aus Anlegersicht gestaltete sich weiters der Start der Berichtssaison zum zweiten Quartal.

So gerieten vor allem Technologieaktien unter Druck, nachdem nach Advanced Micro Devices und 3Com auch der weltgrößte Produzent von Massenspeichern EMC seine Gewinn- und Umsatzprognosen nicht erfüllen hatte können. Der Kurs des Computerherstellers Dell gab nach der Ankündigung umfangreicher Preisnachlässe nach. Microsoft schließlich wurde in Europa zu einer Strafzahlung von USD 280 Mio. verurteilt. Negativ überraschte auch der Telekomausrüster Lucent. Die Erträge von Alcoa stiegen zwar auf ein Rekordniveau, verfehlten letztendlich aber den Analystenkonsensus. Genentech meldete für seine wichtigsten Produkte zum Teil eine schwache Umsatzentwicklung und stand dadurch verstärkt unter Abgabedruck. Der Automobilsektor wurde diesmal von Ford belastet. Die Nummer Zwei unter den US-Autobauern kündigte eine Halbierung der Dividende an.

Positiv überraschen konnte CVS, die zweitgrößte Drogeriekette der USA. Das Unternehmen steigerte im abgelaufenen Quartal seine Umsätze stärker als erwartet. Boeing wiederum profitierte von der Tatsache, das EADS (Airbus) im ersten Halbjahr wesentlich weniger Aufträge für sich entscheiden konnte als das US-Unternehmen. Eine erfreuliche Ausnahme im ansonsten tristen Technologiesektor war KLA Tencor. Der Ausrüster der Halbleiterindustrie meldete für Juni einen sprunghaften Anstieg im Ordervolumen. Pepsico schließlich legte Quartalszahlen über den Anlegererwartungen vor und hob aufgrund des Erfolges der Marke Gatorade seine Gewinnprognosen für das Gesamtjahr an.

Freundliche Nachrichten waren von volkswirtschaftlicher Seite zu vernehmen gewesen. Die Großhandelsumsätze verzeichneten den kräftigsten Zuwachs seit über zwei Jahren. Nun wir erwartet, dass sich dieser Umstand auch in den Auftragseingängen positiv niederschlägt.

Die Berichtssaison hat mit einer Reihe von Enttäuschungen begonnen. Die Anleger sehen daher der kommenden Woche, in der 823 Unternehmen ihre Quartalszahlen präsentieren werden, mit großer Skepsis entgegen. Wir gehen aus diesem Grund auf Wochensicht von einem lediglich schleppenden Kursverlauf aus. Weiterhin dürfte angesichts der nervösen Stimmung im Markt negativen Nachrichten im Markt mehr Gewicht beigemessen werden als positiven.

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